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Kurzdarmsyndrom Behandlung

Kurzdarmsyndrom: eine therapeutische Herausforderung

So individuell wie der Krankheitsverlauf mit Kurzdarmsyndrom sein kann, so unterschiedlich gestalten sich auch die Behandlungsmöglichkeiten. Dein Darm ist bis zu einem gewissen Umfang in der Lage, sich selbst zu regenerieren. Die durch eine Operation verursachte reduzierte Aufnahmefähigkeit, kann aber auch zusätzlich durch eine optimierte Ernährung oder schlussendlich durch eine Hormonbehandlung gestärkt werden.

Welche Behandlung am besten für Dich geeignet ist, besprichts Du am besten mit Deinem Multidisziplinären Betreuungsteam, unter anderem bestehend aus: Gastroenterologen, Chirurgen und Ernährungsberater. Das Ziel des Krankheitsmangagement besteht darin, Dir genügend Nährstoffe zur Verfügung zu stellen, den Verlust an Flüssigkeit zu reduzieren, und die intestinale adaptation zu maximieren. Eine kurze Übersicht über mögliche Optionen und mögliche Schritte findest Du hier:

1 Wiederherstellende Chirugie
Zuerst wird beurteilt, ob eine wiederherstellende Operation für den Patienten in Frage kommt.
2 Ernährungstherapie
Sollte das nicht der Fall sein oder sollte die Wiederherstellung nicht wirksam sein, wird die Optimierung der Diät und der Flüssigkeitsversorgung eingeleitet. Dabei bekommt jeder Patient eine auf seine persönlichen Bedürfnisse abgestimmte Ernährungstherapie.
3 Begleittherapien
Im nächsten Schritt werden geeignete Begleittherapien herangezogen. Diese zielen einerseits auf die Bedürfnisse akuter und chronischer Beschwerden der Patienten ab. Sie sollten andererseits die Adaption des Darms an die neuen Gegebenheiten fördern.
4 Hormontherapie
Schlussendlich kann bei Patienten mit Kurzdarmsyndrom eine hormonelle Therapie zur Förderung der Darmfunktion in Erwägung gezogen werden. Diese kann die Anpassung der Darmzotte und Darmkrypten an die erschwerte Situation fördern und Kurzdarm-Patienten helfen, den Bedarf an parenteraler Ernährung zu reduzieren oder diese ganz abzusetzen.

Welche Rolle spielt die (parenterale) Ernährung beim Kurzdarmsyndrom?

Für Kurzdarmsyndrom Patienten gibt es keine einheitliche „Diät“. Je nachdem, wie viel und welcher Abschnitt des Darms entfernt wurde, kann der Darm noch gewisse Restfunktionen übernehmen, sodass auf künstliche Ernährung verzichtet werden kann.

Es ist sehr wichtig, dass die Ernährung immer ganz individuell auf die Bedürfnisse bzw. den Nährstoff- und Flüssigkeitsbedarf des Einzelnen abgestimmt werden und Du somit alle Massnahmen immer mit Deinen Ärzten und/oder Ernährungsberatern besprichst.

Wenn die Aufnahmefähigkeit des Darmes vorübergehend oder dauerhaft eingeschränkt ist, sodass eine „normale“ (enterale) Ernährung nicht mehr ausreicht, wird eine künstliche (parenterale) Ernährung durch Infusionen über eine Vene notwendig. Auf diesem Wege werden Nährstoffe, Wasser, Mineralien, Spurenelemente und Vitamine zugeführt. Die parenterale Ernährung (pE) ist somit eine lebenserhaltende Therapie – man spricht von Kurzdarmsyndrom mit chronischem Darmversagen. weiter >>

Die Zusammensetzung und der Umfang der parenteralen Ernährung richtet sich nach dem individuellen Bedarf eines Patienten, d. h. nach der Restfunktion des Darms und dem Ausmass der Malabsorption. Das Gesamtvolumen und die Elektrolytzusammensetzung sollten an die Netto-Flüssigkeits- und Elektrolytverluste von Durchfall bzw. Stoma-Output angepasst werden und diese mindestens ausgleichen.

Die Parenterale Ernährung gleicht also den Flüssigkeitshaushalt aus und stellt die Energieversorgung des Körpers sicher. Um beides zu ermöglichen setzt sich die Parenterale Ernährung aus verschiedenen Bestandteilen wie Wasser, Mineralien, Mikro- und Makronährstoffe zusammen.

Wichtig zu wissen:

  • Für jeden Patienten wird ein individueller Plan festgelegt.
  • Regelmässige Kontrollen sowie eine Anpassung der Therapie sind oft notwendig.
  • Ziel der Behandlung ist die kontinuierliche Optimierung der Parenteralen Ernährung, das heisst eine medizinisch, technisch und sozial optimale und komplikationsarme Versorgung des Patienten bei möglichst geringer Abhängigkeit von anderen.

Hier findest Du Antworten von deutschen Experten auf die häufigsten Fragen rund um das Thema Kurzdarmsyndrom und Ernährung.

Experten geben Antworten auf Deine häufigsten Fragen. weiter >>

Finde weitere Informationen auch unter (Leben mit CED -> Wann ist eine künstliche Ernährung sinnvoll) weiter >>

Kann der Darm operativ vergrössert werden?

Führen bei einem Kurzdarmsyndrom diätetische und medikamentöse Massnahmen nicht zu einem zufriedenstellenden Ergebnis, können noch chirurgische Massnahmen in Erwägung gezogen werden.

Ziele eines chirurgischen Eingriffs sind unter anderem die Verlängerung der Passage- und Kontaktzeit des Speisebreis mit dem Darm sowie die Vergrösserung der Resorptionsfläche.

Bei Kindern liegt der Erfolg einer Darmverlängerung – definiert als das Erreichen der intestinalen Autonomie (selbständige Darmtätigkeit) – bei circa 70%.

Ob ein operativer Eingriff im Einzelfall in Betracht kommt, muss ein auf diesem Gebiet erfahrener Chirurg entscheiden.

Neues therapeutisches Verfahren: Wachstumshormone?

Der gesunde Darm bildet Hormone (ein Botenstoff innerhalb des Körpers, der nur von speziellen Zellen produziert wird), die dabei helfen, die Oberfläche der Darmwand zu vergrössern. Eine grosse, gesunde Oberfläche der Darmwand erleichtert es dem Körper, Flüssigkeiten und Nährstoffe aufzunehmen.

Eines dieser Hormone wird Glukagon-like Peptid-2 (GLP-2) genannt und kann durch die Entfernung bestimmter Teile des Darms möglicherweise nicht mehr in ausreichender Menge produziert werden.

GLP-2 kann als Analoga, also in einer dem körpereigenen GLP-2 ähnlichen Form, als Medikament verabreicht werden. GLP-2-Analoga können die Aufnahmekapazität des verbleibenden Darms verbessern.

Ob und ab welchem Zeitpunkt im Einzelfall eine hormonelle Therapie in Frage kommt, hängt von mehreren Faktoren ab. Dein Arzt ist hier der richtige Ansprechpartner, um alles über diese Behandlungsmöglichkeit zu erfahren.

 

Aufbau der Schleimhaut mit Zotten und Krypten
Aufbau der Schleimhaut mit Zotten und Krypten
Hormontherapie kann die Oberfläche der Schleimhaut vergrößern
Die GLP-2-Hormontherapie kann die Oberfläche der Schleimhaut vergrößern, indem sie bewirkt, dass die Zotten länger und die Krypten tiefer werden. Dadurch verbessert sich auch in einem verkürzten Darmabschnitte die Fähigkeit des Darms zur Resorption von Nährstoffen.

Was würde eine Darmtransplantation bedeuten?

Wenn die parenterale Ernährung wiederholt zu Komplikationen führt und keine anderen therapeutischen und chirurgischen Alternativen mehr verfügbar sind, kommt noch die Transplantation eines gespendeten Dünndarmes in Frage.

Die Dünndarmtransplantation ist allerdings eine – im Vergleich zu Leber- und Nierentransplantationen – selten durchgeführte Operation.

Leider können bei Dünndarmtransplantationen auch Abstossungsreaktionen gegen das gespendete Organ auftreten, weil sich im Dünndarm auch sehr viele Immunzellen befinden.

Der Nutzen und das Risiko einer Transplantation sollten sehr gut gegeneinander abgewogen werden. Die Entscheidung darüber muss letztlich ein darauf spezialisiertes Zentrum treffen, weshalb wir Dir raten, hier mit Deinem Behandlungsteam in Kontakt zu treten.

Wenn auch die Seele Hilfe braucht

Freunde, der Partner und andere Familienangehörige will man auch nicht immer mit Problemen belasten. Deshalb ist es völlig in Ordnung, sich hier professionelle Hilfe zu suchen.

Zum Thema Ernährung und chronisch entzündliche Darmerkrankungen findest Du bei der Patientenorganisation Crohn Colitis Schweiz weitere Informationen und Unterstützung.

Bei Fragen rundum das Thema Kurzdarmsyndrom beantworten Experten aus Deutschland hier Fragen zu verschiedenen Themen.

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Manchen Menschen hilft es auch, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Eine Möglichkeit dazu bietet die Selbsthilfe Kurzdarmsyndrom in Deutschland, eine Selbsthilfegruppe für Betroffene mit Kurzdarmsyndrom und deren Angehörige sowie Interessierte.

Manchmal hilft es ja schon zu wissen, dass man mit seiner Erkrankung nicht alleine ist.