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Medikamente

Wann kommen welche Medikamente bei CED zum Einsatz? Wie wirken sie und mit welchen Nebenwirkungen ist zu rechnen? In welchen Darreichungsformen stehen die Präparate zur Verfügung? Was ist bei ihrer Anwendung zu beachten?

Die Antworten auf diese Fragen findest du auf dieser Seite. Doch zunächst geht es um den Sinn und Zweck der Medikamente und damit um die Ziele der medikamentösen Behandlung bei CED.

Übrigens: Wie Fisteln behandelt werden, erfährst du hier

Warum überhaupt Medikamente bei CED?

Die medikamentöse Therapie ist die Basis der medizinischen Behandlung bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Die Auswahl der geeigneten Medikamente hängt von der Phase und dem Schweregrad der Erkrankung ab. Für ihren Einsatz gilt: je früher, desto besser. Denn die Medikamente sollen

  • die akuten Symptome und Beschwerden lindern (Schubtherapie),
  • die Entzündungsaktivität im Darm dämpfen,
  • Abheilung der Darmschleimhaut möglichst ohne Kortikosteroide erreichen,
  • für beschwerdefreie Phasen (Remissionen) sorgen und die Zahl akuter Schübe verringern (Erhaltungs- bzw. Langzeittherapie),
  • die Lebensqualität verbessern und die Lebenserwartung erhalten,
  • den Prozess der Darmschädigung aufhalten, Komplikationen verhindern oder zumindest hinauszögern sowie eventuell auch einem erhöhten Darmkrebsrisiko vorbeugen.

Welche Medikamente stehen zur Verfügung?

Welche Medikamente jeweils in Frage kommen, hängt vom Schweregrade deiner Erkrankung ab und von der Krankheitsphase, in der du dich gerade befindest.

Bei CED reagiert das Immunsystem über und sorgt für eine Entzündung im Darm. Die üblichen Medikamente gegen akute Beschwerden wie Durchfall, Verstopfung oder Schmerzen bekämpfen diese Entzündung nicht. Dafür stehen Substanzen aus verschiedenen Arzneimittelgruppen zur Verfügung, die entweder direkt anti-entzündlich wirken oder das Immunsystem unterdrücken.

Geht die Entzündung zurück, kann sich die geschädigte Darmschleimhaut wieder erholen und die Beschwerden klingen ab. Das wird in der Medizin als klinische Remission bezeichnet. Zeigt sich in der Darmspiegelung zudem eine abgeheilte Schleimhaut (mukosale Heilung), spricht der Arzt in diesem Fall von einer endoskopischen Remission. 

Eine schnelle und lang andauernde Beschwerdefreiheit bei möglichst guter Lebensqualität ist das Hauptziel der CED-Therapie; das vorrangige Ziel der herkömmlichen Therapie mit Aminosalicylaten und Kortison-Präparaten. Bei der immunsuppressiven Therapie mit Immunsuppressiva und modernen Biologika kann darüber hinaus eine komplette Entzündungsfreiheit und eine kortikosteroidfreie Remission (Beibehalten der Remission ohne Einnahme von Kortikosteroiden) angestrebt werden. 

Für die CED-Therapie stehen folgende Medikamentengruppen zur Verfügung:

  • Aminosalicylate (5-ASA-Präparate) 
  • Kortikosteroide (Steroide bzw. „Kortison“) 
  • Immunsuppressiva 
  • Biologika

Aminosalicylate

Aminosalicylate werden bei leichteren Schüben und in der beschwerdefreien Zeit zur Erhaltung der Remission (Langzeittherapie) verordnet. Diese Medikamente kommen vor allem bei Patienten mit milder und moderater Colitis ulcerosa zum Einsatz. Bei Morbus Crohn scheinen sie weniger wirksam zu sein und werden hier zur Behandlung milder Formen mit Befall des letzten Dünndarmabschnitts (Ileum) und des Dickdarms (Kolon) angewendet. Für Aminosalicylate gibt es sehr viele Hinweise aus Studien, dass sie das bei Colitis ulcerosa erhöhte Darmkrebsrisiko senken können.

Aminosalicylate werden auch als Mesalazin oder 5-ASA-Präparate bezeichnet. Sie ähneln in ihrer Struktur der Acetylsalicylsäure (welches als Aspirin zur Behandlung von Kopfschmerzen eingesetzt wird) und unterdrücken die Produktion entzündungsfördernder Botenstoffe im Körper. Sulfasalazin gehört ebenfalls zu den 5-ASA-Präparaten, wird jedoch erst im Körper in den aktiven Wirkstoff übergeführt. 5-ASA-Präparate gibt es in unterschiedlichen Darreichungsformen: oral (Tabletten, Granulate) und topisch/rektal (Klysmen/Schäume, Suppositorien).

Kortikosteroide

Kortikosteroide sind hochwirksame Substanzen, die vor allem bei mittelschweren bis schweren akuten Schüben einer CED für begrenzte Zeit zum Einsatz kommen. Sie unterdrücken u.a. die Produktion entzündungsfördernder Botenstoffe und zeigen dabei schnell Wirkung. Für eine Langzeittherapie sind sie wegen der Gefahr schwerwiegender Nebenwirkungen nicht geeignet. Wie für alle medikamentöse Therapien gilt: Die Einnahme muss ebenso wie das Absetzen immer in Rücksprache mit dem Arzt erfolgen.

Steroide, Kortikosteroide, Glukokortikoide oder einfach „Kortison“ – es gibt viele Bezeichnungen, die alle dasselbe meinen:  eine Gruppe von Medikamenten, die einem körpereigenen Hormon nachgebildet sind: dem Kortisol. Dieses wird in den Nebennieren produziert und hat vielfältige Wirkungen, wozu die Hemmung allergischer und entzündlicher Reaktionen zählt. Kortikosteroide können ihre Wirkung innerhalb von wenigen Stunden entfalten. 
Welche Kortikosteroid-Präparate werden zur CED-Therapie eingesetzt?

Bei den Kortikosteroid-Präparaten sind die konventionellen Steroide, die systemisch im ganzen Körper wirken, von den topischen Steroiden, welche nur in einer Region wirken, zu unterscheiden. Bei einer längeren systemischen Anwendung von Kortikosteroiden erstreckt sich auch seine hohe Nebenwirkungsgefahr auf den ganzen Körper und beim Absetzen ist Vorsicht geboten. Deshalb wurden weitere Steroide entwickelt, die nur lokal im Darm wirksam sind – eben die topischen Steroide. Durch ihre schnelle Wirkung werden Kortikosteroide oft auch in Kombination mit anderen Medikamenten eingesetzt.

Konventionelle Steroide

Konventionelle Steroide werden hauptsächlich bei akuten Krankheitsschüben von CED eingesetzt. Bereits innerhalb der ersten Tage nach Therapiebeginn stellt sich eine Besserung der Beschwerden ein. Die Kortikosteroid-Tabletten werden nach ihrer Einnahme schnell und nahezu vollständig im Magen-Darm-Trakt aufgenommen. Dadurch entfalten sie ihre Wirkung sehr rasch im ganzen Körper und können auch CED-Beschwerden lindern, die ausserhalb vom Darm auftreten, etwa Entzündungen der Augen, der Haut oder der Gelenke. Die am häufigsten verordneten Medikamente sind Prednison und Prednisolon.

Topische Steroide

Topische Steroide werden hauptsächlich bei Colitis ulcerosa verordnet sowie bei Morbus Crohn im Ileum und oberen Teil des Dickdarms. Diese Kortikosteroid -Präparate wirken hauptsächlich in der Darmschleimhaut des Dickdarms und werden in der Leber rasch abgebaut (First-pass-Effekt). Sie rufen deshalb auch deutlich weniger Nebenwirkungen hervor als konventionelle Steroide und können bei Bedarf über einen längeren Zeitraum von maximal 6 Monaten angewendet werden. 

Am häufigsten wird der Wirkstoff Budesonid eingesetzt, der als Tablette, Einlauf oder Rektalschaum zur Verfügung steht. Bei den herkömmlichen Budesonid-Tabletten erfolgt die Freisetzung des Wirkstoffs hauptsächlich am Übergang von Dünn- zu Dickdarm, die Wirkung bleibt dort lokal begrenzt.

Kortikosteroide und seine Nebenwirkungen

Kortikosteroide sind heutzutage in der breiten Öffentlichkeit für ihre Nebenwirkungen bekannt und gefürchtet. Fast jedem Patienten mit CED sind unerwünschte Wirkungen der potenten Kortikosteroid -Präparate bekannt, vor allem bei einer Therapie mit konventionellen Steroiden. Nichtsdestotrotz sind Kortikosteroide ein wichtiger Bestandteil vieler Therapien.

Die Liste der möglichen Nebenwirkungen bei längerer Kortikosteroid -Anwendung umfasst u.a.:

  • Stoffwechseleffekte: Zuckerkrankheit, erhöhte Blutfette, Gewichtszunahme, „Vollmondgesicht“, Elektrolytstörungen;
  • Psyche: oft Euphorie und Schlaflosigkeit zu Therapiebeginn; bei längerer Therapie dann Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Leistungsschwäche und Depression;
  • Haut: starke Akne, erhöhte Verletzlichkeit, vermehrter Haarwuchs, Wundheilungsstörungen;
  • Auge: Grauer und Grüner Star;
  • Kreislauf: Bluthochdruck, Wassereinlagerungen;
  • Magen: Magenbeschwerden;
  • Knochenstoffwechsel: Knochenschwund (Osteoporose);
  • Muskelschwund;
  • Hormonhaushalt: Unterdrückung der Funktion der Nebennierenrinde, Wachstumsverzögerung bei Kindern.

Wie werden Steroide abgesetzt?

Die therapeutische „Überschwemmung“ des Körpers mit Kortikosteroiden sorgt für einen Stopp der körpereigenen Herstellung dieser lebenswichtigen Hormone, die bedarfsweise in der Nebennierenrinde erfolgt. Beim abrupten Absetzen von Kortikosteroiden ist mit Entzugssymptomen zu rechnen, weil es eine Weile dauert, bis die Hormonproduktion in der Nebennierenrinde wieder hochgefahren ist. Deshalb sollte die Beendigung einer Kortikosteroid -Therapie immer zusammen mit dem Arzt erfolgen.
Der Steroid-Entzug kann sich durch Gewichtsabnahme, Schwäche, Übelkeit, Lethargie, Gelenkschmerzen, Fieber, Blutdrucksenkung und Verwirrung bemerkbar machen. Auch die Rezidivgefahr – das Wiederaufflammen der Erkrankung – ist erhöht. Kortikosteroide müssen deshalb am Ende des Therapiezeitraums immer ausgeschlichen werden: Das bedeutet, dass die Dosis schrittweise reduziert wird.
Bei manchen Patienten treten bereits beim Ausschleichen die ersten Krankheitsbeschwerden wieder in Erscheinung. In solchen Fällen ist es möglicherweise erforderlich, die Symptome mit Immunsuppressiva unter Kontrolle zu bringen, bevor die Kortikosteroide ganz abgesetzt werden kann.
Vitamin D und Kalzium: wichtige Begleiter der Kortison-Therapie
Wegen der Knochenschwund-Gefahr sollte der Arzt während einer längeren Behandlung mit Kortikosteroid -Präparaten regelmässig die Blut- und Knochenwerte kontrollieren. Zur Vorbeugung von Osteoporose empfiehlt sich die Einnahme von Vitamin D und Kalzium während der Kortikosteroid -Therapie gemäss der ärztlichen Empfehlung.

Kortikosteroide und seine Grenzen

Kortikosteroid-Präparate sind zwar potente Medikamente, aber auch sie wirken nicht immer oder verlieren bei manchen Patienten irgendwann ihre Wirksamkeit. Einer von fünf Patienten mit Morbus Crohn wird trotz wochenlanger hochdosierter Steroid-Therapie nicht beschwerdefrei – und ist damit steroidrefraktär.  Ein häufiges Phänomen ist auch die Steroid-Abhängigkeit, bei der es nicht gelingt, die Kortikosteroid -Dosis zu reduzieren, ohne dass wieder Beschwerden auftreten. 
Kein Grund zum Verzagen: Wenn die Kortikosteroid-Behandlung an ihre Grenzen kommt oder nicht vertragen wird, kann die immunsuppressive Therapie weiterhelfen.

Immunsuppressiva

Immunsuppressiva sind Medikamente, die bei schwereren CED-Verläufen bzw. bei Nichterfolg oder Unverträglichkeit herkömmlicher Therapien zum Einsatz kommen. Sie mindern bzw. unterdrücken unspezifisch die körpereigene Abwehr und reduzieren damit auch die Entzündungsherde im Darm. Manchmal gelingt dies sogar vollständig, ohne dass damit allerdings eine echte Heilung verbunden wäre.

Bei der Behandlung mit Immunsuppressiva ist Geduld gefragt: Da die Wirkung zeitverzögert eintritt, müssen die Medikamente zunächst einige Wochen lang eingenommen werden.

Die Thiopurine Azathioprin/6-Mercaptopurin (AZA/6-MP) sind die bei der Langzeitbehandlung von CED am häufigsten verwendeten Immunsuppressiva. Sie werden hauptsächlich zur Erhaltung der beschwerdefreien Phase (Remission) eingesetzt oder wenn innerhalb von 6 Monaten immer wieder Schübe einer chronisch aktiven CED auftreten. 

Ein Behandlungseffekt macht sich erst nach etwa 2 bis 6 Monaten klinisch bemerkbar. Die Therapie mit AZA/6-MP gilt deshalb erst dann als ineffektiv, wenn nach 6- bis 7-monatiger Behandlung in ausreichender Dosierung keine relevante Wirkung zu erkennen ist. In diesem Fall kann dann häufig das gleichzeitig zur Schubtherapie eingesetzte Kortikosteroid -Präparat nicht vollständig abgesetzt werden. Die Therapie mit AZA oder 6-MP erfordert also anfänglich viel Geduld und eine gute Aufklärung durch den behandelnden Arzt.

Thiopurine hemmen die Vermehrung und dadurch die Differenzierung bestimmter Immunzellen und unterdrücken so den chronischen Entzündungsprozess. Die beiden Substanzen AZA und 6-MP sind sich bezüglich ihrer Wirksamkeit sehr ähnlich, hinsichtlich ihrer Verträglichkeit bestehen aber individuelle Unterschiede.

Überempfindlichkeitsreaktionen können innerhalb der ersten Behandlungswochen und unabhängig von der Dosierung auftreten. Dazu gehören: Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), Fieber, Hautreaktionen, Muskelschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

Toxische Nebenwirkungen sind dosisabhängig und können Wochen bis Jahre nach Therapiebeginn sichtbar werden. Dazu gehören: Verminderung der weissen Abwehrzellen (Leukopenie), Infektionen und Leberschädigungen (Hepatitis).

Um Nebenwirkungen vorzubeugen oder sie frühzeitig erkennen zu können, ist vor Beginn der Behandlung eine Überprüfung das Blutbildes sowie der Leber- und Bauchspeicheldrüsenwerte wichtig. Während der Therapie sollten Blutbild und Leberwerte anfangs zweiwöchentlich und anschliessend alle 3 Monate überprüft werden. 

Seltener eingesetzte Immunsuppressiva sind

  • Methotrexat (MTX) und
  • Calcineurin-Antagonisten: (Cyclosporin und Tacrolimus)

Methotrexat (MTX)

Das Zytostatikum Methotrexat wird vor allem zur Chemotherapie bei Krebs und – in viel niedrigerer Dosierung – als Basistherapie bei rheumatischen Erkrankungen eingesetzt. Bei CED beschränkt sich die Anwendung von MTX auf Patienten, die nicht auf eine Behandlung mit AZA/6-MP ansprechen oder diese nicht vertragen. Die entzündungshemmende Wirkung von MTX setzt etwa 1 bis 3 Monate nach Therapiebeginn ein und beruht auf einem Eingriff in den Folsäure-Stoffwechsel. Deshalb ist die gleichzeitige Einnahme von Folsäure MTX steht in Form von Tabletten oder als subkutane Injektion (s.c.) zur Verfügung. Beim Spritzen unter die Haut wird der Wirkstoff viel besser aufgenommen als bei oraler Einnahme über den Magen-Darm-Trakt.

Zu den möglichen Nebenwirkungen einer MTX-Therapie zählen: Übelkeit, erhöhte Leberwerte, erkältungsähnliche Symptome, Bauchschmerzen, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Hautausschläge. Da Methotrexat zu Schädigung des Fötus führen kann, darf Methotrexat während der Schwangerschaft nicht eingenommen werden.

Aufgrund der Nebenwirkungsgefahr ist eine regelmässige Kontrolle der Blut-, Leber- und Nierenwerte vor und während der MTX-Therapie erforderlich. Die Einnahme von Folsäure (5 mg pro Woche) kann Nebenwirkungen lindern. MTX sollte mindestens 3 Monate vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden.

Calcineurin-Antagonisten

Zu den Calcineurin-Antagonisten zählen die Wirkstoffe Cyclosporin A und Tacrolimus. Ihre immunsuppressive Wirkung beruht darauf, dass sie die Aktivierung von T-Lymphozyten blockieren. Diese beiden Medikamente sind in der Schweiz für CED nicht zugelassen, da die Erfahrungen bei CED mit beiden Substanzen gering ist, was besonders für Tacrolimus gilt. Die Anwendung dieser Medikamente sollte darin erfahrenen Ärzten vorbehalten sein.

Cyclosporin A wird vor allem bei Patienten mit schwerer Colitis ulcerosa eingesetzt, die auf keine andere Therapie ansprechen. In manchen Fällen kann durch eine erfolgreiche Cyclosporin-A-Therapie die Notwendigkeit einer Dickdarmentfernung verzögert oder vermieden werden. Die Verabreichung von Cyclosporin A erfolgt meistens im Spital als Infusion, es kann aber auch als Kapsel oder Getränk über einen Zeitraum von 3 bis 6 Monaten eingenommen werden.

Zu den Nebenwirkungen, die Cyclospsorin A hervorrufen kann, zählen: Übelkeit, Kopfschmerzen, Gefühlsstörungen in Händen und Füssen, vermehrter Haarwuchs im Gesichtsbereich, reduzierte Nierenfunktion, erhöhter Blutdruck.
Tacrolimus ist hinsichtlich Wirkmechanismus und Nebenwirkungen mit Cyclosporin A vergleichbar. Es wird bei schweren Formen von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa eingesetzt. Eine Aufnahme ins Spital (Hospitalisierung) ist nicht zwingend nötig. Tacrolimus kann oral als Kapsel eingenommen werden. Die Gabe erfolgt meist zusätzlich zu Azathioprin und Prednisolon.

Biologika

Biologika sind moderne Arzneimittel, die bei CED zum Einsatz kommen, wenn die konventionellen Medikamente (Aminosalicylate, Kortison-Präparate, Thiopurine nicht den gewünschten Erfolg bringen oder nicht vertragen werden. Es handelt sich um gentechnisch hergestellte Eiweissstoffe (so genannte monoklonale Antikörper), die den körpereigenen Antikörpern nachempfunden sind. Sie wirken auf verschiedene Weise gezielt immunsuppressiv und entzündungshemmend. Biologika können die Entzündung der Darmschleimhaut effektiv zum Abklingen bringen und den Patienten somit lange, beschwerdefreie Lebensphasen ermöglichen.
Zu den bei CED verfügbaren Biologika zählen:

  • Integrin-Blocker (Vedolizumab) 
  • TNF-alpha-Blocker
  • Interleukin 12/23-Blocker (nur bei Morbus Crohn)

Integrin-Blocker (Vedolizumab)

Der Integrin-Blocker Vedolizumab zählt zur neuen Generation von Biologika, das für Patienten mit mittel- bis hochgradig aktivem Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zugelassen ist. Der Integrin-Hemmer kommt zum Einsatz, wenn die konventionellen Medikamente oder TNF-alpha-Blocker nicht oder nicht mehr wirksam sind oder nicht vertragen werden. Vedolizumab unterscheidet sich von den TNF-alpha-Blockern durch seinen darmspezifischen Wirkmechanismus.

Integrine sind Eiweisse, die als „Andockhilfen“ (Adhäsionsmoleküle) eine Verbindung zwischen zwei Zellen ermöglichen. Das α4β7-Integrin befindet sich auf der Oberfläche einer Untergruppe von speziellen Abwehrzellen (Memory-T-Lymphozyten), die vorzugsweise in den Magen-Darm-Trakt wandern und sich dort an einer für Morbus Crohn und Colitis ulcerosa charakteristischen Entzündung beteiligen.

Vedolizumab ist ein monoklonaler Anti-Integrin-Antikörper, der spezifisch an das α4β7-Integrin bindet. Durch Blockade dieser Andockhilfe wird das Vordringen der Abwehrzellen aus der Blutbahn ins Darmgewebe verhindert und der Entzündung entgegengewirkt. Vedolizumab wird als Infusion unter ärztlicher Aufsicht über eine Armvene verabreicht. Die Infusion dauert 30 Minuten. Anschliessend wird der Patient noch eine Weile beobachtet, um sicherzugehen, dass die Behandlung gut vertragen wird: nach den ersten beiden Infusionen für 2 Stunden, nach allen weiteren Infusionen für 1 Stunde.

TNF-alpha-Blocker

TNF-alpha-Blocker zählen zu den ursprünglichen Biologika und werden bei Colitis ulcerosa und Morbus Crohn sowie bei schweren Autoimmunerkrankungen eingesetzt, wenn die üblichen Therapien nicht oder nicht ausreichend anschlagen oder nicht vertragen werden.

Der Tumornekrosefaktor-α (TNF-alpha) ist ein entzündungsförderndes Protein des menschlichen Immunsystems und kommt im ganzen Körper vor. Seine Konzentration ist bei CED-Patienten oftmals erhöht. Die TNF-alpha-Blocker binden und neutralisieren dieses Protein ortsunspezifisch, wodurch Entzündungsprozesse nicht nur im Darm, sondern im ganzen Körper gedämpft werden.

Zur Behandlung einer CED gibt es verschiedene Wirkstoffe aus dieser Substanzklasse:

  • Adalimumab 
  • Infliximab
  • Certolizumab Pegol (nur bei Morbus Crohn)
  • Golimumab (nur bei Colitis ulcerosa)

Adalimumab:
Der TNF-alpha-Blocker Adalimumab wird u.a. zur Therapie von Patienten mit mittel- bis hochgradig aktivem Morbus Crohn und Colitis ulcerosa eingesetzt wird, sofern konventionelle medikamentöse Therapien nicht mehr wirken oder vertragen werden. Das Biologikum wird vom Patienten selbst mittels einer Fertigspritze oder vorgefülltem Autoinjektor unter die Haut (subkutan = s.c.) injiziert.

Infliximab:
Der TNF-alpha-Blocker Infliximab kann zur Behandlung von mittel- bis hochgradig aktivem Morbus Crohn und Colitis ulcerosa eingesetzt werden. Das entzündungshemmende Biologikum wird mittels einer Infusion in die Vene (intravenös) gespritzt. Die Infusionsdauer beträgt ungefähr 2 Stunden, danach wird der Patient sicherheitshalber noch 1 bis 2 Stunden weiter beobachtet.

Certolizumab Pegol:
Der TNF-alpha-Blocker Certolizumab Pegol ist bei CED nur für die Behandlung bei mittel- bis hochgradig aktivem Morbus Crohn zugelassen. Das entzündungshemmende Biologikum wird vom Patienten selbst mittels einer Fertigspritze unter die Haut (subkutan = s.c.) verabreicht.

Golimumab:
Der TNF-alpha-Blocker Golimumab ist im Bereich von CED nur für die Behandlung von mittel- bis hochgradig aktiver Colitis ulcerosa zugelassen. Das entzündungshemmende Biologikum wird von den Patienten mittels vorgefülltem Autoinjektor oder als Fertigspritze unter die Haut (subkutan = s.c.) injiziert.

Interleukin 12/23-Blocker
Interleukin-Blocker hemmen die Wirkung von einzelnen Entzündungsbotenstoffen aus der Gruppe der Interleukine (IL). Als Wirkstoff zugelassen ist in der Schweiz Ustekinumab. Bei Patienten mit Morbus Crohn sind die Konzentrationen von IL-12 und IL-23 im Darm und in den Lymphknoten erhöht, vermutlich als Reaktion auf in die Darmschleimhaut eindringende Bakterien. Durch die Blockierung von Interleukinen, die an der Ausbreitung der Entzündung über mehrere Pfade beteiligt sind, soll der Entzündungsprozess im Körper vermindert werden. Interleukin 12/23-Blocker wirken wie die TNF-alpha Blocker systemisch, das heisst nicht nur im Darm, sondern im ganzen Körper.

Was ist vor dem Therapiestart mit Biologika zu beachten?

Bevor du eine Biologika-Therapie beginnst, erfolgt eine gründliche Untersuchung durch den Arzt mit Anamnese sowie Blut- und Stuhluntersuchungen. Dabei sind auch aktive schwere Infektionen wie Tuberkulose (TBC) auszuschliessen, die gegebenenfalls vorher behandelt werden müssten. 
Informiere deinen Arzt ausserdem über deinen aktuellen Impfstatus und geplante Reisen. Eine Impfung mit Lebendimpfstoffen sollte nach Therapiebeginn nicht mehr erfolgen. Als Frau im gebärfähigen Alter solltest du während einer Biologika-Therapie geeignete Verhütungsmittel verwenden. Besprich deinen Kinderwunsch frühzeitig, am besten vor Therapiebeginn, mit deinem behandelnden Arzt.

Welche Nebenwirkungen können bei Biologika auftreten?

Begleitend zu deiner Therapie mit Biologika finden etwa alle zwei Monate regelmässige Kontrolluntersuchungen beim Arzt statt, um die Wirksamkeit der Therapie und dein Wohlbefinden zu überprüfen. Dabei solltest du dich mit deinem Arzt über alle therapierelevanten Aspekte absprechen, etwa wenn ein chirurgischer oder zahnmedizinischer Eingriff geplant ist.

Wie alle Medikamente können auch Biologika zu Nebenwirkungen führen, die aber nicht bei allen Patienten auftreten. Dennoch ist es wichtig, über sie Bescheid zu wissen, um im Fall des Falles richtig reagieren zu können. Dein behandelnder Arzt wird dich darüber informieren. 
Zu den häufigsten Biologika-Nebenwirkungen zählen: Atemwegsprobleme (wie z.B. Nebenhöhleninfektionen und Halsentzündung), Kopfschmerzen, Hautausschlag, Husten und Bauchschmerzen. 

Weitere häufige Nebenwirkungen sind Schwindel, Übelkeit, Verdauungsstörungen, Durchfall, Fieber, Hautrötung, Schwäche oder Müdigkeitsgefühl. Wenn du das Gefühl hast, an einer Nebenwirkung zu leiden, solltest du deinen Arzt kontaktieren und aufsuchen. Den Kontakt zu Personen mit Erkältungen, grippalen Infekten oder anderen ansteckenden Krankheiten solltest du möglichst meiden, da unter einer Biologika-Therapie das Infektionsrisiko erhöht ist.

Was sind Biosimilars?

Biosimilars sind Arzneimittel, die eine grosse Ähnlichkeit (similarity) mit einem bereits zugelassenen Biologikum, dem Referenzprodukt, aufweisen. Biosimilars kommen nach Ablauf der Patentzeit ihrer Referenzprodukte auf den Markt und zeichnen sich durch einen günstigeren Preis aus, ähnlich den Generika bei herkömmlichen Medikamenten. Wie für alle Medikamente, wird der Medikamentenpreis in der Schweiz für Biosimilars vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) festgelegt.

Im Gegensatz zu den Generika sind die Biosimilars allerdings Nachahmerpräparate von komplizierten Eiweissen. Nicht nur der biotechnologische Herstellungsprozess der Referenzprodukte ist sehr komplex, sondern auch jedes Molekül selbst. Deshalb können Biosimilars kaum identisch mit ihren Vorbildern sein, sondern den entsprechenden Biologika allenfalls sehr ähneln. Das schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic hat spezielle Zulassungsrichtlinien für die Biosimilars herausgegeben, die sich von der Zulassung von Generika unterscheiden.

Viele TNF-Blocker sind schon seit fast zwei Jahrzehnten im Einsatz. Bei einigen von ihnen ist der Patentschutz abgelaufen, so dass ihre Nachahmung als Biosimilar in Frage kommt. Für Patienten mit CED bedeuten die neuen Medikamente mit vergleichbarem Wirkmechanismus eine weitere Option: Wenn sie auf ihr bisheriges Biologikum schlecht oder ungenügend ansprechen, kommen jetzt neben anderen Biologika auch Biosimilars als Therapiealternative in Frage.

Die individuelle Auswahl des am besten geeigneten Biologikums oder Biosimilars trifft der Arzt in Absprache mit dem Patienten. Dabei spielen patientenspezifische Risikofaktoren eine zentrale Rolle. Ohne zwingende Gründe sollte eine gut laufende biologische Therapie nicht gewechselt werden, wobei auch Kostengründe dem Patientenwohl unterzuordnen sind.

In der Schweiz sind aktuell zwei Infliximab-Nachahmerpräparate zugelassen, die wie das Originalpräparat intravenös verabreicht werden. Nach den bisherigen Erfahrungen erscheint das Wirksamkeits- und Sicherheitsprofil dieser Biosimilars vergleichbar mit dem Infliximab-Referenzprodukt.

Warum ist der frühzeitige Einsatz von Medikamenten sinnvoll?

  • rasche Linderung der Beschwerden bei einem akuten Schub
  • Vermeidung von Infektionen;
  • möglichst lange Aufrechterhaltung der beschwerdefreien Phasen (Remissionen);
  • Vermeidung von Komplikationen durch Schädigungen am Darm (wie z.B. Verwachsungen, Engstellen, Abszesse, Fisteln), die im weiteren Verlauf möglicherweise eine Operation mit Entfernung von Darmteilen erfordern;
  • Reduzierung des Krebsrisikos durch Eindämmen der Entzündung.

Warum ist der Einsatz von Medikamenten auch während der Remission wichtig?

Die Therapie bei CED ist einerseits umso erfolgversprechender, je eher dein Arzt dich im Schub behandelt. Zum anderen kannst du durch eine konsequente Anwendung der Medikamente für die Erhaltungstherapie in der beschwerdefreien Zeit aktiv dazu beitragen, dass ein erneuter Schub wirksam verhindert wird.

Aufgrund des chronischen Krankheitsgeschehens bei CED gilt:

  • Morbus Crohn und Colitis ulcerosa müssen häufig durchgängig behandelt werden, auch wenn man gerade beschwerdefrei ist.
  • Auch in Remissionsphasen sind Besuche beim Arzt wichtig, z.B. um einen sich ankündigenden neuen Schub rechtzeitig abzufangen oder um die Progression der Erkrankung zu verhindern.

Wie werden die Medikamente verabreicht?

Wie die Medikamente verabreicht werden, hängt zum einen von der Art des Medikaments ab und zum anderen davon, welche Teile des Magen-Darm-Traktes von der Erkrankung betroffen sind. Die korrekte Verabreichung (Applikationzum) eines Medikaments ist eine wichtige Voraussetzung, damit es seine bestmögliche Wirkung entfalten kann. 
Viele der Medikamente bei CED sind zur Aufnahme über den Mund (oral), also in der Regel als Tabletten, verfügbar. Eine andere, manchmal günstigere Möglichkeit ist das Aufbringen direkt auf erkrankte Körperstellen (topisch). Andere wichtige Medikamente werden mittels Infusion über eine Vene (intravenös) oder per Spritze unter die Haut (subkutan) verabreicht.

Orale Medikamente

Die orale Applikation kennt jeder: Tabletten, Kapseln oder Granulate werden über den Mund eingenommen und geschluckt. Die Präparate sind mit einer Schutzschicht überzogen, um zu verhindern, dass sie sich schon im Mund auflösen. Daher solltest du diese Medikamente auch wirklich ganz schlucken und nicht zerkauen oder zerkleinern.

Topische Medikamente

Zu dieser Kategorie gehören Zäpfchen, Einläufe oder Enemas. Damit bringst du die Wirkstoffe direkt an der betroffenen Stelle auf bzw. in den Enddarm ein. Bei Enemas handelt es sich um Präparate mit flüssigem Schaum, der mithilfe eines Applikators über den Anus eingeführt wird. Das mag zunächst etwas befremdlich anmuten, ist aber reine Gewöhnungssache.

Ein Vorteil: Da der Wirkungsbereich der topischen Medikamente nahezu ausschliesslich auf den Ort ihrer Anwendung beschränkt ist, gilt das auch für ihr Nebenwirkungspotenzial. So ist etwa das wiederholte lokale Einbringen von Kortison-Schaum bei akuten Schüben weit weniger problematisch als ein dauerhaftes Schlucken von Kortison-Tabletten.

Medikamente zur Injektion oder Infusion

Bestimmte Medikamente wie die modernen Biologika können nur per Injektion unter die Haut (subkutan) bzw. in den Muskel (intramuskulär) oder per Infusion in die Vene (intravenös) verabreicht werden. Bei der Infusion gelangt das Medikament sofort in die Blutbahn und damit auf schnellstem Weg an seine Wirkungsstätte(n).

Glossar-Tipp: Was sind Biologika? Was bedeutet „klinische Remission“? Was versteht man unter „Applikation“? Hier werden die wichtigsten medizinischen Fachausdrücke rund um Morbus Crohn und Colitis ulcerosa erklärt.

Behandlungsmöglichkeiten auf einen Blick
Ihre Therapieoptionen besprechen Sie am besten mit Ihrem behandelnden Arzt.
Herkömmliche Therapie
Wirkstoffgruppe Wirkungsweise
Aminosalizylate Bei leichteren Schüben und in der beschwerdefreien Zeit verordnen die Ärzte Ihnen meist 5-ASA-Präparate. Diese Wirkstoffe ähneln der Acetylsalizylsäure (ASS). Sie verhindern, dass Ihr Körper weiter entzündungsfördernde Botenstoffe produziert.*
Cortisonpräparate (Corticosteroide) Während eines Schubes können Ihnen Corticosteroide (Cortison) helfen. Sie verhindern, dass unter anderem Ihre Immunzellen weiterhin entzündungsfördernde Botenstoffe produzieren. Die Wirkung von Cortison zeigt sich schnell. Doch die Ärzte werden Ihnen Cortison nicht dauerhaft verschreiben.*
Immunsuppressive Therapie
Immunsuppressiva unterdrücken die körperliche Abwehr, entweder im ganzen Körper oder nur lokal. Sie reduzieren somit auch die Entzündungsherde im Darm.
Wirkstoffgruppe Wirkungsweise
Thiopurine Thiopurine hemmen die Vermehrung und dadurch die Differenzierung bestimmter Immunzellen und unter­drücken so die chronische Entzündung. Da die Wirkung langsam eintritt, müssen sie zunächst einige Wochen lang eingenommen werden. Sie werden bei mittelschweren und schweren Verläufen eingesetzt.*
Biologika Integrin-Hemmer Integrin-Hemmer können spezifisch im Darm wirken. Der Wirkstoff blockiert ein Eiweiß auf bestimmten Abwehrzellen im Blut. So können bestimmte Entzündungszellen nicht mehr aus der Blutbahn in das Darmgewebe vordringen. Integrin-Hemmer wirken Entzündungen entgegen. Integrinhemmer kommen bei mittelschweren bis schweren Verläufen zum Einsatz.*
Interleukin-Blocker Interleukin-Blocker hemmen ganz bestimmte Entzündungsbotenstoffe, die im Körper über mehrere Pfade an der Ausbreitung der Entzündung beteiligt sind. Interleukin-Blocker zielen auf eine Verminderung der Entzündung im Körper und sind für den Einsatz bei mittelschwerem bis schwerem Morbus Crohn bei Erwachsenen zugelassen.
TNF-alpha-Antagonisten TNF-alpha-Antagonisten binden und neutralisieren den Botenstoff Tumornekrosefaktor-alpha, der häufig bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen erhöht ist und entzündungsfördernd wirkt. Wird er gehemmt, wird das Immunsystem im ganzen Körper gedämpft und Entzündungen gehen zurück. TNF-alpha-Antagonisten kommen bei mittelschweren bis schweren Verläufen zum Einsatz.*

* Medikamente können verschiedene Nebenwirkungen verursachen und sollten grundsätzlich in enger Absprache mit dem Arzt genommen werden.