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Operation

Wann ist die Operation ein Thema?

In den meisten Fällen ist eine chronisch entzündliche Darmerkrankung (CED) mit einer medikamentösen Therapie gut in den Griff zu bekommen. Es kann allerdings auch Situationen geben, in denen du um einen operativen Eingriff nicht herumkommst – oder dich sogar gezielt dafür entscheidest.

Nicht die erste Option – aber manchmal die beste

Die Therapie bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa erfolgt in erster Linie medikamentös, ein breites Spektrum an wirksamen Präparaten steht dafür zur Verfügung. Operationen stehen in der Liste der Behandlungsmassnahmen nicht an erster, sondern an letzter Stelle. Mit operativen Eingriffen ist immer auch ein gewisses Risiko verbunden. Deshalb sollten sie nur zurückhaltend eingesetzt werden, zumal eine Heilung, vor allem bei Morbus Crohn, selbst durch grössere Operationen nicht zu erzielen ist.

Dennoch gibt es bestimmte Situationen, die sich nur operativ beheben lassen oder bei denen eine Operation als therapeutische Alternative in Frage komm, etwa bei

  • medikamentös nicht beherrschbarer Krankheitsaktivität;
  • Komplikationen wie Fisteln, Blutungen, Abszesse oder Verengungen (Stenosen) im Darm;
  • Wirkverlust von Medikamenten;
  • Notfallsituationen wie Darmverschluss oder -durchbruch (Perforation).

Die genannten Komplikationen kommen häufiger bei Morbus Crohn vor. Ein Colitis-assoziiertes Karzinom oder Krebsvorstufen sowie als Notfallsituationen ein toxisches Megakolon oder eine Darmperforation sind typische OP-Gründe bei Colitis ulcerosa.

Ist die Colitis ulcerosa durch eine Operation heilbar?

Bei dieser Erkrankung sind Operationen insgesamt seltener erforderlich als bei Morbus Crohn. Ausserdem kann der chirurgische Eingriff in manchen Fällen auch mit dem Anspruch einer Heilung erfolgen, da die Colitis ulcerosa ausschliesslich den Dickdarm betrifft und nach dessen Entfernung (Kolektomie bzw. restaurative Proktokolektomie) unter Umständen kein Thema mehr ist. 

Da bei Entfernung des Dickdarms aber immer ein Stück des Rektums erhalten bleibt, können Rezidive, also erneute Krankheitsausbrüche, auch nach einer Kolektomie auftreten. Die Chancen, eine Colitis ulcerosa durch die operative Darmentfernung über einen längeren Zeitraum kontrollieren zu können, sind aber hoch.

Wer trifft die Entscheidung zur OP?

Abgesehen von den – zum Glück sehr seltenen – Notfallsituationen sind die Operationen bei CED eine planbare Angelegenheit – und häufig auch eine Frage der Abwägung zwischen Nutzen und Risiko. Dabei spielen deine persönlichen Bedürfnisse bzw. Präferenzen und Lebensumstände eine massgebliche Rolle.

Deshalb sollte der Entscheid für ein operatives Vorgehen in Ruhe und in enger gemeinsamer Abstimmung zwischen dir und dem interdisziplinären Behandlungsteam getroffen werden, zu dem neben deinem Gastroenterologen noch der Chirurg und eventuell weitere Fachärzte gehören.

Wie häufig wird bei CED operiert?

Auch bei der Häufigkeit von Operationen gibt es Unterschiede zwischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Beim Crohn erzwingt der Krankheitsverlauf bei rund zwei von drei Patienten innerhalb von 10 Jahren einen chirurgischen Eingriff, bei der Colitis über den gesamten Krankheitsverlauf hinweg nur bei jedem dritten Patienten.

Kein Sonntagsspaziergang – aber gute Erfahrungen, die Mut machen

Schönreden sollte man das Thema Darmoperation nicht. Dennoch gibt es auch einige gute Nachrichten: Dank der Entwicklung neuer Techniken sind die chirurgischen Verfahren heute für den Patienten deutlich schonender als früher. Wenn es um die Entfernung von Darmgewebe geht, lautet die chirurgische Regel zudem: so viele Darmabschnitte wie nötig, aber so wenige wie möglich.

Und selbst wenn man sich das vielleicht vorher nicht vorstellen kann oder mag: Die Erfahrungen vieler operierter CED-Patienten zeugen davon, dass es sich auch ohne die herausoperierten Darmabschnitte gut leben lässt – häufig mit einer deutlich besseren Lebensqualität als vor der OP. Das gilt auch für die Anlage eines künstlichen Darmausgangs (Stoma), die manchmal vorübergehend und in anderen Fällen dauerhaft erfolgt. Solche Erfahrungen und der Austausch mit operierten Patienten kann dir Mut machen, um dich aktiv mit dem Thema auseinanderzusetzen und dich optimal auf eine Operation (oder die Entscheidung darüber) vorzubereiten.

Werden bei einer Operation immer Darmabschnitte entfernt?

Nein, keineswegs. Vor allem beim Morbus Crohn geht es um ganz unterschiedliche Anlässe, Behandlungsziele und Operationsverfahren. Wenn beispielsweise der Darm nur über eine kurze Strecke verengt ist, wird diese Stenose chirurgisch erweitert, ohne dass Darmgewebe entfernt werden muss (Strikturoplastik). Vorteil: Die normale Stuhlpassage bleibt erhalten.

Auch der Verschluss von Fisteln oder die Entfernung von Abszessen erfolgt normalerweise ohne Herausnahme von Darmabschnitten (Darmresektion).

Häufig eingesetzt: die Schlüsselloch-Technik 

Aber auch wenn Darmteile entfernt werden müssen, bedeutet das nicht automatisch eine grosse Bauchoperation. Stattdessen nutzen die Chirurgen meistens die sogenannte minimal-invasive Laparoskopie. Mithilfe dieser Schlüsselloch-Technik werden entzündete Darmabschnitte mit verschiedenen Instrumenten über zwei kleine Öffnungen in der Bauchdecke herausoperiert.

Ein Fistelverschluss erfolgt in der Regel ebenfalls minimalinvasiv, nämlich von innen mit einem Endoskop, das auch bei der Darmspiegelung zum Einsatz kommt. In dem mit einer Kamera ausgestatteten schlauchförmigen Gerät werden Instrumente mitgeführt, mit denen Hohlräume und Fistelgänge mit Metallklammern (Megaclips) verschlossen werden können.