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Mit CED verreisen

Aber sicher!

Eine Auslandsreise, vor allem in weit entfernte Länder, erfordert auch für darmgesunde Menschen eine etwas umfangreichere Vorbereitung, wenn man nicht alles dem Zufall überlassen möchte. Die Reiseapotheke gehört ebenso dazu wie der Impfschutz oder die Reiseversicherung. Das ist bei Menschen mit einer chronischen Krankheit wie CED nicht viel anders, nur noch etwas wichtiger. Ausserdem kommen einige besondere Aspekte hinzu, wie die folgenden Fragen und Antworten zeigen. Mit den Informationen im Gepäck kannst du hoffentlich etwas beruhigter auf Reisen gehen.

Woran muss ich vor der Abreise denken?

Der Reisezeitpunkt sollte möglichst in eine beschwerdefreie Phase gelegt werden, in der sich der Entzündungsprozess im Darm still verhält.

Am besten machst du dir eine Checkliste oder nutzt diese hier, um an die nötigen Vorbereitungen zu denken und sie Punkt für Punkt abzuhaken: Sonnenschutz, Reiseapotheke, Medikamente gegen CED samt Kühltasche, Versicherungen, Arztkontakt, Toiletten-App und so weiter.
Ein wichtiger Punkt, um den du dich sehr frühzeitig kümmern solltest, betrifft das Thema Impfungen.

Wogegen muss ich mich impfen lassen?

Beim Impfschutz geht es einerseits um die hausärztliche Überprüfung und ggf. Auffrischung der Standardimpfungen (z.B. Tetanus), die in deinem (hoffentlich greifbaren) Impfpass eingetragen sind. Hinzu kommen dann, je nach Destination und Jahreszeit, spezielle Reiseimpfungen.

Ob du dann auch wirklich geimpft werden kannst, hängt von zwei Umständen ab: von deinem Gesundheitszustand, deinen Medikamenten und von der Art der jeweiligen Impfung.

Bei den Vakzinen (ein anderes Wort für Impfstoffe) wird nämlich zwischen Lebend- und Totimpfstoffen unterschieden. Welche Impfstoffart jeweils zur Verfügung steht, hängt vom Krankheitserreger ab, gegen den geimpft wird. Bei einer Vakzinierung mit Totimpfstoffen lässt sich der gewünschte Immunschutz mit abgetöteten Erregern oder nur mit Teilen von ihnen induzieren. Lebendimpfstoffe enthalten dagegen geringe Mengen an lebenden Krankheitserregern, um eine ausreichende Schutzantwort zu stimulieren. Menschen mit geschwächtem Immunsystem durch Krankheit oder immunsuppressive Therapie sollten nicht mit Lebendimpfstoffen geimpft werden. Das gilt folglich auch für die bei der medikamentösen Behandlung von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa eingesetzten immunsuppressiva und Biologika.

Beispiele für häufig eingesetzte Lebend- und Totimpfstoffe

Lebendimpfstoffe gegen:

  • BCG (Bacillus Calmette-Guérin; Tuberkulose)
  • Gelbfieber
  • Influenza (echte Grippe)
  • MMR (Masern, Mumps, Röteln)
  • Polio
  • Typhus Typ 21a
  • Varizella-Zoster-Virus (Windpocken)

Totimpfstoffe gegen:

  • Cholera
  • Diphterie
  • FSME (zeckenübertragene Enzephalitis)
  • Hepatitis A und B
  • Influenza
  • Japanische Enzephalitis
  • HPV (humane Papillomaviren)
  • Meningokokken
  • Pertussis (Keuchhusten)
  • Pneumokokken
  • Polio (Kinderlähmung)
  • Tetanus
  • Typhus
  • Varizella-Zoster-Virus (Gürtelrose)

Das bedeutet:

  • Wenn du mit Immunsuppressiva oder Biologika behandelt wirst, sollten diese Medikamente für mindestens 3 Monate abgesetzt werden, bevor du eine Impfung mit Lebend-Vakzinen (z.B. MMR oder Gelbfieber) erhältst.
  • Umgekehrt ist nach einer solchen Impfung mindestens 3 Wochen abzuwarten, bevor Immunsuppressiva oder Biologika (wieder) zur Anwendung kommen.
  • In jedem Fall solltest du bei einer anstehenden Lebendimpfung das Vorgehen in deinem individuellen Fall mit deinem behandelnden Facharzt (Gastroenterologen) besprechen.
  • Bei den Totimpfstoffen muss darauf bei CED normalerweise keine Rücksicht genommen werden

Nähere Informationen und aktuelle Empfehlungen zu (Reise-) Impfungen findest du

  • auf Infovac, einer von Experten erstellten Informationsplattform für Impffragen;
  • beim Impfzentrum Baden, das auf seiner Internetseite ausführliche länderspezifische Informationen zu den Impfempfehlungen, der Malaria-Situation, den Gesundheitsrisiken, aktuellen Gesundheitsmeldungen, Botschaften und medizinischen Einrichtungen zur Verfügung stellt;
  • beim Bundesamt für Gesundheit (hier);
  • über die vom Bundesamt für Gesundheit betriebene Impf-Hotline 0844 448 448, die eine kostenlose ärztliche Beratung über sämtliche Impffragen anbietet;
  • auf der Website der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die regelmässig aktuelle Impfempfehlungen herausgibt (u.a. in Englisch und Französisch).

Übrigens: Wegen der erhöhten Infektionsanfälligkeit solltest du bei Reisen in gefährdete Gebiete das Thema Tuberkulose mit deinem Arzt besprechen.

Wie sieht die Reise-Apotheke bei CED aus?

In deine Reiseapotheke gehören neben dem üblichen Inhalt natürlich noch ein paar Dinge, die deine CED-spezifischen Bedürfnisse berücksichtigen. Du kannst dich an der folgenden Checkliste orientieren und diese auch hier herunterladen ((PDF-Link, Design schweizerisch anpassen)). In die Reiseapotheke gehört u.a.:

  • Verbandsmaterial, Pflaster, Fieberthermometer;
  • Medikamente gegen Durchfall und Erbrechen;
  • Einweg-Toilettensitz-Auflagen (z.B. in Drogerien erhältlich);
  • Medikamente gegen Schmerzen und Fieber;
  • Breitbandantibiotikum für akute Fälle;
  • Salbe bzw. Gel für allergische Reaktionen, Insektenstiche und Sonnenbrand;
  • CED-Medikamente (für einen eventuellen Schub und ggf. zur Langzeittherapie);
  • Telefonnummer/E-Mail-Adresse deines behandelnden Arztes.

Tipp: Da einige CED-Medikamente die Lichtempfindlichkeit erhöhen können, ist gerade hier ein ausreichender Sonnenschutz unabdingbar.

Was muss ich bei der Mitnahme meiner CED-Medikamente beachten?

Lass dir von deinem behandelnden Arzt genügend Medikamente bzw. Verbrauchsmaterial verschreiben, damit du für die Urlaubszeit abgesichert bist. Erkundige dich, ob du bei der Einreise ein ärztliches Attest über die Notwendigkeit der mitzuführenden Medikamente und des Zubehörs (Pens, Spritzen) benötigst und lass es dir ggf. rechtzeitig vor Reiseantritt vom Arzt ausstellen (mindestens in Deutsch, Englisch und möglichst auch in der jeweiligen Landessprache). Im Attest sollten auch besondere transporttechnische Massnahmen, wie z. B. eine kontinuierliche Kühlung, vermerkt werden. Wenn du ein Stoma trägst, kannst du über den Hersteller deines Produkts einen internationalen Stomapass beziehen.

Bei der Mitnahme von Medikamenten und Zubehör sind – vor allem bei Flugreisen – ein paar Dinge zu beachten:

  • Entleere als Stomaträger deinen Beutel vor Flugantritt, da er durch den Unterdruck während des Fluges platzen kann.
  • Bestimmte CED-Medikamente solltest du lieber in einer Kühltasche im Handgepäck lagern statt im Frachtraum, wo sie bei den niedrigen Temperaturen möglicherweise unbrauchbar werden. Bei längeren Reisen kannst du beim Bordpersonal anfragen, ob deine Medikamente eventuell im Bordkühlschrank aufbewahrt werden können.
  • Wenn du in eine andere Zeitzone reist, hilft es dir bei der Medikamenteneinnahme, wenn du schon einige Tage vor Reiseantritt deinen Biorhythmus darauf einstimmst. Bei vielen CED-Medikamenten ist die genaue Uhrzeit der Einnahme nicht entscheidend. Du kannst daher bei einer Zeitverschiebung von wenigen Stunden den Zeitraum zwischen den Medikamenteneinnahmen schon mal mit Blick auf die Zeit am Urlaubsort variieren bzw. verkürzen. Kortison-Präparaten sollten allerdings immer morgens zur gleichen Uhrzeit verabreicht werden, dann angepasst an die Zeit des Urlaubsortes.

Welche Reiseversicherungen sind sinnvoll?

Wenn du bei einer Auslandsreise krank wirst, bezahlt deine Krankenkasse die erforderliche medizinische Notfallbehandlung. Bei einer freiwilligen Behandlung oder beim Kauf von Medikamenten im Ausland werden die Kosten dagegen nicht übernommen.

Die Höhe der Kostendeckung im Notfall hängt von deinem Reiseziel ab. In EU- bzw. EFTA-Ländern (Island, Kroatien, Liechtenstein, Mazedonien, Norwegen, Serbien) hast du mit der europäischen Krankenversicherungskarte, die du von deinem Krankenversicherer erhalten hast, Anspruch auf Vergütung der gleichen Leistungen wie die Versicherten dieses Landes. Nehme deine Versicherungskarte also unbedingt mit auf die Reise!

Akute Schübe bei CED treten meist unerwartet auf. Insofern könnte eventuell der Abschluss einer Reiserücktrittversicherung sinnvoll sein. Dann bekommst du z.B. die Stornokosten für Flug und Hotel ersetzt, wenn du die Reise nicht antreten kannst. Auch für den Abbruch einer bereits begonnenen Reise gibt es Versicherungsangebote. Ausserdem kannst erwägen, eine zusätzliche Auslandsreisekrankenversicherung abzuschliessen, die z.B. die Kosten für einen medizinisch notwendigen Rücktransport aus dem Reiseland übernimmt. Dabei solltest du vorher das Leistungsspektrum mit dem Versicherer abklären.

Worauf muss ich bei der Ernährung im Ausland achten?

Schon gesunde Fernreisende müssen sich vor Magen-Darm-Infektionen oder Durchfälle in acht nehmen. Mit einer CED im Gepäck solltest du die Go‘s und No-Go‘s der Ernährung in fremden Ländern besonders beachten, vor allem in solchen mit niedrigeren Hygienestandards. Die einfache Regel zur Beachtung der Hygiene bei Nahrungsmitteln lautet: „Koch es, schäl es oder vergiss es!“

Ausserdem solltest du Buffets und lauwarme oder rohe Speisen meiden, also u.a.:

  • kein Sushi oder Tiramisu;
  • keine Rohmilch;
  • keine Produkte, die rohes Fleisch enthalten (z.B. Salami);
  • kein rohes, ungeschältes Obst und Gemüse sowie Salate.

Sei auch beim Gebrauch von Wasser sehr vorsichtig:

  • Speiseeis und Eiswürfel (Keimbelastung) meiden;
  • Wasser und andere Getränke nur aus original verschlossenen Flaschen trinken;
  • nicht mit Leitungswasser Zähne putzen.

Erhöht das Reisen die Schubgefahr?

Viele Menschen mit CED fürchten eine erhöhte Schubgefahr während einer Reise durch Stress oder Infektionen. Laut einer neueren Studie können Reisen in höhere Regionen über 2000m und Flüge tatsächlich das Risiko erhöhen, vier Wochen nach der Reise einen CED-Schub zu erleiden. Als möglicher Grund wird ein Sauerstoffmangel diskutiert, der entzündliche Reaktionen begünstigt.

Wichtig: Besprich mit deinem Gastroenterologen vor Reiseantritt, wie du im Falle eines akuten Schubs im Urlaub vorgehen solltest. Für den Notfall solltest du auch seine Telefonnummer bzw. Mailadresse mitführen. Eine eigenmächtige Erhöhung der Medikamentendosis wird nicht empfohlen. Es kann nützlich sein, schon vor Reiseantritt auch die Adressen von Ärzten an deinem Reiseziel zu recherchieren.

 

Nach dem Urlaub

Wenn du länger als einen Monat in einem Gebiet gereist bist, das als moderat oder hoch endemisch für Tuberkulose gilt, solltest du dich auf latente Tuberkulose untersuchen lassen. Diese Untersuchung sollte 8–10 Wochen nach deiner Rückkehr wiederholt werden. Wenn du mit Durchfall zurückkehrst, sollte eine reisespezifische Ursache (z.B. bakterielle Infektion) mittels Stuhlprobe und Blutbild geklärt werden, ob eventuell eine bakterielle Infektion vorliegen.

Last but not least: Schöne und beeindruckende Reiseerfahrungen sind ein wertvoller Schatz, der jedes Leben (mit und ohne CED) bereichert und sich positiv auf verschiedene Lebensbereiche auswirkt. In der Regel dürfte das den etwas erhöhten Vorbereitungsaufwand locker wert sein.

Tipp: Weiterführende Informationen zum Thema Reisen mit CED findest du u.a. auch auf der englischsprachigen Webseite https://www.ibdpassport.com/.