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Chronisch entzĂŒndliche Darmerkrankungen (CED)

Das solltest du wissen

WofĂŒr steht CED und was bedeutet es fĂŒr mich? Wie kommt es dazu und was kann man dagegen tun? Was ist der Unterschied zwischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa? Mit einer CED-Diagnose stellen sich viele Fragen. Hier findest du einen ersten Überblick und auch Verlinkungen zu weiteren relevanten BeitrĂ€gen.↳

Was ist CED?

Die AbkĂŒrzung „CED“ steht fĂŒr „chronisch entzĂŒndliche Darmerkrankung(en)“, in der Schweiz wird auch hĂ€ufig die englische AbkĂŒrzung IBD (inflammatory bowel disease) genutzt.

Die Bezeichnung ist ein Sammelbegriff fĂŒr nicht ansteckende, chronische EntzĂŒndungen des Darms, deren genaue Ursache bis jetzt noch unklar ist. Die beiden hĂ€ufigsten Formen von CED sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa↳

Was bedeutet die CED-Diagnose?

Wenn du die gesicherte Diagnose einer CED bekommen hast, lautet die schlechte Nachricht: Die Krankheit wird dich voraussichtlich lebenslang begleiten, eine therapeutische Heilung ist in den meisten FÀllen bisher nicht möglich. Es kann durchaus eine Herausforderung sein, die Erkrankung erfolgreich in deinen Lebensalltag zu integrieren.
 
Es gibt aber auch gute Nachrichten.

Die erste gute Nachricht: Mit einer CED ist es möglich, gut zu leben und genauso so alt wie Menschen ohne CED zu werden.

Es stehen gute Behandlungsmöglichkeiten, vor allem mit Medikamenten zur VerfĂŒgung. Das oberste Therapieziel besteht darin, durch Beseitigung der Beschwerden und der EntzĂŒndung im Darm deine LebensqualitĂ€t zu normalisieren und ein Fortschreiten der Krankheit sowie Komplikationen zu vermeiden bzw. so lange wie möglich hinauszuzögern.
 
Die zweite gute Nachricht: Du bist nicht allein. Neben dem professionellen Versorgungs- und Betreuungsangebot gibt es Patientenforen im Internet und Selbsthilfeinitiativen wie Crohn Colitis Schweiz, die die Wissensweitergabe, den Austausch und die BestĂ€rkung untereinander fördern.↳

Wie hÀufig kommen CED vor?

In der Schweiz leben etwa 1 bis 2 von 500 Einwohnern mit einer CED, das sind ĂŒber 25.000 Menschen.
 
FĂŒr Europa werden HĂ€ufigkeiten von 5/1000 fĂŒr Colitis ulcerosa und von 3/1000 fĂŒr Morbus Crohn berichtet. Dabei wird ĂŒberwiegend eine weitere Zunahme an Neuerkrankungen beobachtet.↳

In welchem Alter tritt eine CED auf?

Sowohl Morbus Crohn als auch Colitis ulcerosa treten am hĂ€ufigsten im jungen Erwachsenenalter in Erscheinung. Von einer CED können Menschen aber grundsĂ€tzlich in jedem Alter betroffen sein, beginnend ab der frĂŒhen Kindheit.↳

«Du bist doch viel zu jung fĂŒr eine chronische Krankheit» - das ist nur eine der Aussagen mit der Julia Stirnimann, die seit sie 18 Jahre alt ist mit Colitis ulcerosa lebt, konfrontiert wurde. Die Gastgeberin Dr. Eve Huber fĂŒhlt in dieser Podcast Episode Julia Stirnimann auf den Zahn und spricht mit ihr ĂŒber Hilfe zur Selbsthilfe, die Ängste und Sorgen junger Menschen und die Wichtigkeit von Humor beim Leben mit einer chronisch entzĂŒndlichen Darmkrankheit.

Was ist die Ursache fĂŒr CED?

Die genauen Ursachen chronisch entzĂŒndlicher Darmerkrankungen sind immer noch unklar. Einen einzelnen Auslöser gibt es nicht, es mĂŒssen mehrere Faktoren zusammenkommen. CED sind also multifaktorielle Erkrankungen. Diskutiert werden vor allem eine erbliche Veranlagung, UmwelteinflĂŒsse, Probleme mit der Darmflora und komplexe immunologische Störungen.

Dabei haben sich die wissenschaftlichen Konzepte zur ErklĂ€rung chronisch entzĂŒndlicher Darmerkrankungen in den letzten Jahren gewandelt:

  • Zwillingsstudien haben gezeigt, dass bei Morbus Crohn die Bedeutung der erblichen Veranlagung (genetische PrĂ€disposition) im Vergleich zu Umweltfaktoren grösser ist als bei Colitis ulcerosa. Insgesamt wurden in Verbindung mit beiden Erkrankungen mittlerweile rund 200 Risikogene identifiziert. Dabei spielen vor allem Auswirkungen auf die Interaktion von Mikroorganismen mit dem Darm eine Rolle.
  • Bei den UmwelteinflĂŒssen gelten Antibiotika-Behandlungen in der Jugend und bei Morbus Crohn das Rauchen als bedeutsame Risikofaktoren. Die Hygienehypothese erklĂ€rt die vor allem in den IndustrielĂ€ndern steigende Zahl an Allergien, Autoimmunerkrankungen und CED u.a. damit, dass hohe Hygienestandards zu einem „Trainingsmangel“-Effekt auf das Immunsystem fĂŒhren.
  • Mittlerweile geht man davon aus, dass an sich harmlose Mikroorganismen im Darm (kommensale Mikroflora als Auslöser und Unterhalter eines chronischen EntzĂŒndungsprozesses von zentraler Bedeutung sind. Die höchste Bakterienkonzentration findet sich im Endabschnitt des DĂŒnndarms und im Dickdarm, also genau in den Bereichen, an denen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa bevorzugt auftreten. Es wird ein Ungleichgewicht in der Darmflora (Dysbiose) beobachtet. Allerdings ist nicht sicher geklĂ€rt, ob es sich dabei um den Auslöser oder die Folge einer komplexen Erkrankung handelt.
  • Die frĂŒhere Interpretation von CED als klassische Autoimmunerkrankung gilt heute als ĂŒberholt. Stattdessen geht man mittlerweile davon aus, dass es sich um eine komplexe Barriere-Erkrankungen handelt.↳
Risikofaktoren fĂƒÂŒr chronisch entzĂƒÂŒndliche Darmerkrankungen (CED)
Risikofaktoren fĂŒr chronisch entzĂŒndliche Darmerkrankungen (CED)

Wird eine CED vererbt?

Sowohl bei Morbus Crohn als auch bei Colitis ulcerosa wird ein familiĂ€r gehĂ€uftes Auftreten der Erkrankungen beobachtet, was fĂŒr eine erbliche Veranlagung (genetische PrĂ€disposition) spricht. Es wurden etwa 200 Risikogene identifiziert, die daran beteiligt sein könnten, ein einzelner Auslöser ist aber nicht bekannt. Die Vererbung kann also eine Rolle als einer von mehreren Faktoren bei der Entstehung von CED spielen, ist jedoch keine zwingende Voraussetzung. Insgesamt erkranken mehr Menschen ohne familiĂ€ren Hintergrund an einer CED als mit.

Doch was sagt die Wissenschaft dazu? In dieser Podcast Episode diskutiert Gastgeberin Dr. Eve Huber mit Dr. med. Christoph Matter, welchen Einfluss ErnĂ€hrung, Stress, Umweltfaktoren und genetische EinflĂŒsse auf die Krankheit haben und welche dieser Faktoren Betroffene selbst beeinflussen können, um besser zu leben.

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Wird mein Kind auch an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leiden?

Handelt es sich bei CED um eine Autoimmunerkrankung?

Das Krankheitsgeschehen bei CED wird heute nicht mehr als klassische Autoimmunerkrankung betrachtet, sondern als komplexe immunologische Störung in Verbindung mit einer Barriere-Erkrankung. Dabei lösen eigentlich harmlose Darmbakterien eine ĂŒberschiessende Immunreaktion aus, indem sie durch Schleimhautbarriere in die Darmwand eindringen.↳

Was passiert bei einer CED?

Bei einer CED dreht sich (fast) alles um EntzĂŒndungen und gestörte AblĂ€ufe im Verdauungstrakt. Da ist fĂŒr ein besseres VerstĂ€ndnis der Blick auf die normale Funktionsweise unseres Verdauungssystems hilfreich.

Wie die Verdauung funktioniert

Die Verdauung hat die Aufgabe, aus der aufgenommenen Nahrung uns die NĂ€hrstoffe und Energie verfĂŒgbar zu machen, die wir zum tĂ€glichen Leben brauchen. Der Verdauungsprozess beginnt im Mund, der ersten Station des Verdauungstrakts, mithilfe von Speichel und ZĂ€hnen. Die feste Nahrung wird (ausser beim nicht so gesunden Schlingen) mechanisch zerkleinert und eingespeichelt und gelangt als Speisebrei ĂŒber die Speiseröhre in den Magen. Dort wird der saure Magensaft beigemischt und die mechanische Bearbeitung fortgesetzt, so dass die vorverdaute Nahrung in kleinen Portionen ĂŒber den Magenpförtner (Pylorus) in den DĂŒnndarm gelangt.

Das Verdauungssystem des Menschen
Das Verdauungssystem des Menschen

Der DĂŒnndarm besteht aus dem Zwölffingerdarm (Duodenum), dem Leerdarm (Jejunum) und dem Krummdarm (Ileum) und erstreckt sich je nach Verdauungsprozess auf einer LĂ€nge von drei bis sechs Metern. Sobald der Speisebrei mit der Schleimhaut des Zwölffingerdarms in BerĂŒhrung kommt, wird ihm Verdauungssaft aus der BauchspeicheldrĂŒse und die in der Leber produzierte Galle zugesetzt. Die Beimischung wird ĂŒber Nervenimpulse gesteuert und hilft beim Aufschliessen der Nahrungsbestandteile. Ausserdem enthĂ€lt der Verdauungssaft auch Natriumbikarbonat, um den sauren Speisebrei zu neutralisieren und ideale Arbeitsbedingungen fĂŒr die Verdauungsenzyme zu schaffen. Dann erfolgt die Resorption: Alle wichtigen Stoffe aus der Nahrung werden ĂŒber die extrem grosse SchleimhautoberflĂ€che der Darmwand des DĂŒnndarm-Hauptteils (Jejunum und Ileum) in die Blutbahn aufgenommen und zu allen Organen im Körper transportiert. Am Verdauungsprozess wirken auch Bakterien als Mitglieder der normalen menschlichen Darmflora mit, die rund 100 Billionen Keime umfasst.Anschliessend werden den Nahrungsresten im Dickdarm, der aus dem Grimmdarm (Kolon) und dem Enddarm besteht, Wasser und Mineralstoffe entzogen. Der Enddarm ist etwa 20 Zentimeter lang und beginnt mit dem Mastdarm (Rektum). Dort werden die unverdaulichen Nahrungsteile als eingedickter und geformter Stuhl zwischengelagert, bis sich der wenige Zentimeter lange Analkanal zur Darmentleerung öffnet. Der Analkanal ist der allerletzte mit Schleimhaut ausgekleidete Teil des Verdauungstrakts am Darmausgang (Anus, After) und wird von zwei Schliessmuskeln und den HĂ€morrhoiden abgedichtet. WĂ€hrend der innere Schliessmuskel unwillkĂŒrlich arbeitet, kann der Ă€ussere willentlich gesteuert werden, um die Darmentleerung bewusst in Gang zu setzen oder zu verzögern.
     
Übrigens: HĂ€morrhoiden sind keine Krankheit, sondern ein stark durchblutetes GefĂ€sspolster am Ausgang des Enddarms. Kurz vor dem After gelegen, sorgen sie zusammen mit den Schliessmuskeln dafĂŒr, dass kein Stuhl austreten kann. Die bekannten Beschwerden werden durch vergrösserte HĂ€morrhoiden verursacht.
Wissenschaftler gehen heute zur ErklÀrung der krankhaften Prozesse bei CED vom Konzept einer komplexen Barriere-Erkrankung aus.

Gestörte Barriere – was bedeutet das?

Unsere Darmschleimhaut hat eine wichtige Barrierefunktion: Sie verhindert an der Grenze zwischen Umwelt, also Darminhalt, und Körperinnerem, dass Bakterien und andere Keime bzw. Fremdstoffe durch die Darmwand in den Blutkreislauf gelangen können.
 
Die Schleimhautbarriere besteht aus der obersten Zellschicht (Epithel), auf die eine antibakterielle Schleimschicht (Mukusschicht) aufgelagert ist. Sie enthĂ€lt bestimmte Schleimstoffe (Muzine) und Peptidantibiotika (Defensine), die von der Schleimhaut selbst produziert werden. Bei Colitis ulcerosa ist diese Mukusschicht defekt und dĂŒnner als normal. Bei Morbus Crohn mit DĂŒnndarmbeteiligung scheint eine gestörte Defensin-Bildung von zentraler Bedeutung zu sein. Verschiedene Defekte, die u.a. die Bakterienerkennung, den Abbauprozess in der Zelle (Autophagie), die zellulĂ€re Stressreaktion und die Funktion bestimmter Immunzellen (Monozyten) betreffen, fĂŒhren zu einer gestörten Abwehr gegen Mikroorganismen und zur VerĂ€nderung des Mikrobioms bzw. der Darmflora.

Bei Menschen mit CED ist die Barrierefunktion der Darmschleimhaut also nicht mehr intakt. Bakterien und andere Fremdstoffe können in die Darmwand eindringen und dort eine Abwehrreaktion des Immunsystems auslösen.

Das Immunsystem kommt nicht zur Ruhe

Bei dieser EntzĂŒndungsreaktion spielen verschiedene Zellen der Körperabwehr eine wichtige Rolle, die einerseits fĂŒr den angeborenen Immunschutz (Granulozyten, Makrophagen, dendritische Zellen) und andererseits fĂŒr die erworbene ImmunitĂ€t (T-Zellen) verantwortlich sind. Aufgrund einer Störung des Immunsystems von CED-Betroffenen wird zum einen auch die gesunde Darmflora angegriffen. Zum anderen wird durch eine erhöhte Produktion entzĂŒndungsfördernder Botenstoffe verhindert, dass die Abwehrreaktion wieder abklingt, wie es normalerweise bei gesunden Menschen der Fall ist. Da das Immunsystem nicht zur Ruhe kommt, lĂ€uft die EntzĂŒndung chronisch weiter und schĂ€digt die gesunde Darmwand.↳

Was sind typische Beschwerden bei CED?

CED ist nicht gleich CED. Die AusprĂ€gung der Krankheitsbilder von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa ist individuell unterschiedlich und dabei einerseits vielgestaltig, andererseits jedoch unspezifisch. Das heisst, die Beschwerden wie Durchfall, Bauchschmerzen oder chronische MĂŒdigkeit sind zwar typisch fĂŒr CED, aber auch fĂŒr zahlreiche andere Erkrankungen. Aus diesem Grund kommt es leider hĂ€ufig zu einer verzögerten Diagnosestellung.

Die Leitsymptome von Morbus Crohn sind:

  • MĂŒdigkeit
  • Bauchschmerzen
  • Durchfall
  • Gewichtsverlust
  • Fieber
  • Symptome ausserhalb des Darms (extraintestinale Manifestationen)

Chronische MĂŒdigkeit und Erschöpfung als anhaltender Dauerzustand, der sich auch mit mehr schlafen nicht bessert: Dieses Symptom kann CED Betroffene zusĂ€tzlich zu den gĂ€ngigen Beschwerden wie Durchfall und Bauchschmerzen begleiten. In dieser Episode diskutiert Dr. Eve Huber mit ihren GĂ€sten Frau KlĂ€ger und Dr. med. Christoph Matter, wie diese Krankheit den Alltag beeinflusst, welche GrĂŒnde hinter einer Fatigue stecken können und was man dagegen unternehmen kann.

Die Leitsymptome von Colitis ulcerosa sind:

  • blutiger Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • schmerzhafter Stuhldrang
  • Symptome ausserhalb des Darms (extraintestinale Manifestationen)

Was ist ein Reizdarm?

Beim Reizdarm bzw. Reizdarmsyndrom handelt es sich um eine funktionelle Störung des Darms. Das bedeutet, dass keine organischen oder biochemischen VerĂ€nderungen als Grund fĂŒr die auftretenden Beschwerden erkennbar sind. Typische Symptome beim Reizdarm sind Bauchschmerzen, BlĂ€hungen und Durchfall oder Verstopfung. Sie verstĂ€rken sich hĂ€ufig bei Stress und treten oft nur gelegentlich auf, beispielsweise nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel oder von ungewohntem Essen oder auf Reisen. Die Krankheit kann zwar sehr belastend sein, ist aber ungefĂ€hrlich.

Ein Problem besteht in der Praxis, wenn eine CED wegen der sehr Ă€hnlichen Beschwerden vom Arzt als ein Reizdarmsyndrom fehlgedeutet wird. Mit der körperlichen Untersuchung kann nĂ€mlich nicht sicher zwischen einer funktionellen und einer organischen Störung unterschieden werden kann. Deshalb fĂŒhren hĂ€ufig erst die Befunde von Blut- und Stuhlproben auf die Spur einer CED.↳

Welche Gemeinsamkeiten haben Morbus Crohn und Colitis ulcerosa?

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind die beiden hĂ€ufigsten Erkrankungen, die mit einer chronischen EntzĂŒndung der Darmwand einhergehen und unter dem Begriff CED zusammengefasst werden. In weiten Bereichen gibt es Überschneidungen: bei den vermuteten Ursachen, den Krankheitsprozessen, den Beschwerden, den diagnostischen Verfahren, den Behandlungsmöglichkeiten und auch bei den Dingen, die fĂŒr ein „chronisch gutes“ Leben wichtig sind. Die Unterschiede liegen hĂ€ufig im Detail.

Typische Gemeinsamkeiten im Krankheitsverlauf sind beispielsweise:

  • Beide Krankheiten verlaufen in immer wiederkehrenden SchĂŒben. In einem Krankheitsschub ist der Darm stark entzĂŒndet. Danach folgt eine Phase ohne Beschwerden (Remission).
  • Beide Erkrankungen können sich auch ausserhalb des Verdauungstraktes abspielen und beispielsweise die Gelenke, Augen oder die Haut betreffen. Diese sogenannten extraintestinalen Manifestationen sind allerdings bei Morbus Crohn hĂ€ufiger als bei Colitis ulcerosa.↳

Welche Unterschiede gibt es zwischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa?

Neben den Gemeinsamkeiten gibt es auch relevante Unterschiede zwischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, die fast immer eine klare Abgrenzung der eigenstÀndigen Krankheitsbilder ermöglichen.
 
So spielen sich bei der Colitis ulcerosa die EntzĂŒndungsprozesse vor allem an der Schleimhaut ab, bei Morbus Crohn erfassen sie dagegen alle Wandschichten.

Unterschiedlich ist auch das Befallsmuster im Verdauungstrakt: Bei der Colitis ulcerosa ist normalerweise nur der Dickdarm beteiligt, die geschwĂŒrige EntzĂŒndung steigt kontinuierlich vom After aufwĂ€rts. Morbus Crohn befĂ€llt besonders hĂ€ufig DĂŒnn- und Dickdarm, vor allem im Bereich des Übergangs zwischen beiden, kann aber grundsĂ€tzlich ĂŒberall im Verdauungstrakt auftreten, vom Mund bis zum After. Dabei erstrecken sich die krankhaften Stellen (LĂ€sionen) immer nur ĂŒber kurze Darmabschnitte. Das typische Erscheinungsbild in der Darmspiegelung wird auch als „Pflasterstein-Relief“ bezeichnet.

Bei beiden Krankheiten kommt es zu DurchfĂ€llen, Bauchschmerzen und Gewichtsverlust. Dennoch gibt es auch bei den Beschwerden Unterschiede: Bei der Colitis ulcerosa sind die DurchfĂ€lle hĂ€ufig blutig. Oft bilden sich GeschwĂŒre auf der Darmschleimhaut. Komplikationen sowie Beschwerden ausserhalb des Darms (extraintestinale Manifestationen) kommen vor, sind aber eher selten. Anders bei Morbus Crohn: Er geht typischerweise mit wochenlangen schleimigen DurchfĂ€llen einher, denen nur selten Blut beigemischt ist. Die BauchkrĂ€mpfe sind heftig und meist im rechten Unterbauch lokalisiert. Es machen sich hĂ€ufig auch Symptome ausserhalb des Darms bemerkbar, z.B. Schmerzen im Knie- oder Sprunggelenk, entzĂŒndliche HautverĂ€nderungen oder chronische MĂŒdigkeit. Die DarmwĂ€nde sind verdickt und im Krankheitsverlauf kommt es oft zu Komplikationen wie Fisteln, Abszessen und Darmverengungen (Stenosen).

Prof. Dr. Stephan Vavricka erklÀrt, was extraintestinale Manifestationen genau sind, wo diese auftreten können und was wichtig ist, damit diese Beschwerden optimal behandelt werden können.

Bei der Diagnostik wird zunĂ€chst untersucht, ob es sich um eine chronisch entzĂŒndliche Darmerkrankung handelt. Die Sicherung der Diagnose und die Unterscheidung zwischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa erfolgt dann meistens bei der Darmspiegelung, unterstĂŒtzt von bildgebenden Verfahren wie Ultraschall oder MRT. Ein weiteres Instrument fĂŒr die prĂ€zise und differenzierte Diagnosestellung ist die Untersuchung von krankhaft verĂ€nderten Gewebestrukturen unter dem Mikroskop. DafĂŒr wird bei der Darmspiegelung Probenmaterial aus entzĂŒndeten Darmabschnitten gewonnen. Hin und wieder kann trotz aller Untersuchungsmassnahmen nicht zwischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa unterschieden werden. Dann lautet die Diagnose: Colitis indeterminata.

Die Behandlung stĂŒtzt sich bei beiden Erkrankungen vor allem auf Medikamente, die die EntzĂŒndung bzw. die Immunabwehr hemmen. Die medikamentöse Therapie dient zum Abklingen der Beschwerden (Remissionsinduktion), zur Erhaltung und VerlĂ€ngerung der beschwerdefreien Phasen (Remissionserhaltung) und zur Vermeidung von Komplikationen. Dank neuer Medikamente rĂŒckt auch die Abheilung der entzĂŒndeten Schleimhaut („mucosal healing“) zunehmend als Therapieziel in den Fokus.

Die medikamentöse Therapie folgt in der Regel einem Stufenkonzept und richtet sich dabei immer individuell nach dem Schweregrad und Verlauf der Erkrankung, der Krankheitsphase, dem Ansprechen auf die Medikamente und ihrer VertrĂ€glichkeit sowie nach den BedĂŒrfnissen bzw. PrĂ€ferenzen des Patienten. Die Auswahl und Art der Anwendung der Medikamente wird in AbhĂ€ngigkeit davon, ob es sich um Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa handelt, teilweise unterschiedlich gehandhabt.
     
Ein operatives Vorgehen ist aufgrund der höheren Komplikationsraten bei Morbus Crohn hĂ€ufiger erforderlich als bei Colitis ulcerosa. Bei Colitis ulcerosa kann mit einer totalen Dickdarmentfernung (Proktokolektomie) – als einziger therapeutischer Massnahme – in einem Teil der FĂ€lle eine Heilung erzielt werden.

Die möglichen Verteilungsmuster des Krankheitsbefalls im Magen-Darm-Trakt
Die möglichen Verteilungsmuster des Krankheitsbefalls im Magen-Darm-Trakt bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Die wichtigsten Unterschiede zwischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa gehören beide zu den CED und haben viele Gemeinsamkeiten. Sie sind aber zwei verschiedene Erkrankungen – und unterscheiden sich daher in einigen wichtigen Punkten:

Bei Morbus Crohn

  • haben die Betroffenen Bauchschmerzen, verlieren Gewicht und haben eher wĂ€ssrig-schleimigen Durchfall.
  • können alle Abschnitte des Verdauungstraktes befallen sein.
  • sind alle Schichten der Darmwand entzĂŒndet.
  • wechseln sich gesunde mit kranken Abschnitten in der Darmschleimhaut ab.
  • weist der Darm im spĂ€teren Krankheitsverlauf oft Engstellen, Fisteln oder Abszesse auf.
  • spielen wahrscheinlich jeweils eigene immunologische und genetische Ursachen sowie Umweltfaktoren im Vergleich zur Colitis ulcerosa eine Rolle.

Bei Colitis ulcerosa

  • sind die DurchfĂ€lle hĂ€ufig auch blutig.
  • sind nur der Dickdarm und Enddarm betroffen.
  • ist vor allem die oberste Schicht der Darmwand, die Darmschleimhaut, entzĂŒndet.
  • sind die krankhaft verĂ€nderten Schleimhautstellen (LĂ€sionen) zusammenhĂ€ngend.
  • können Blutungen und Dickdarm-/Enddarmkrebs als Komplikationen auftreten.↳
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