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Medikamente

Wann kommen welche Medikamente bei CED zum Einsatz? Wie wirken sie und mit welchen Nebenwirkungen ist zu rechnen? In welchen Darreichungsformen stehen die Pr√§parate zur Verf√ľgung? Was ist bei ihrer Anwendung zu beachten?

Die Antworten auf diese Fragen findest du auf dieser Seite. Doch zunächst geht es um den Sinn und Zweck der Medikamente und damit um die Ziele der medikamentösen Behandlung bei CED.

Übrigens: Wie Fisteln behandelt werden, erfährst du hier↳

Warum √ľberhaupt Medikamente bei CED?

Die medikament√∂se Therapie ist die Basis der medizinischen Behandlung bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Die Auswahl der geeigneten Medikamente h√§ngt von der Phase und dem Schweregrad der Erkrankung ab. F√ľr ihren Einsatz gilt: je fr√ľher, desto besser. Denn die Medikamente sollen

  • die akuten Symptome und Beschwerden lindern (Schubtherapie),
  • die Entz√ľndungsaktivit√§t im Darm d√§mpfen,
  • Abheilung der Darmschleimhaut m√∂glichst ohne Kortikosteroide erreichen,
  • f√ľr beschwerdefreie Phasen (Remissionen) sorgen und die Zahl akuter Sch√ľbe verringern (Erhaltungs- bzw. Langzeittherapie),
  • die Lebensqualit√§t verbessern und die Lebenserwartung erhalten,
  • den Prozess der Darmsch√§digung aufhalten, Komplikationen verhindern oder zumindest hinausz√∂gern sowie eventuell auch einem erh√∂hten Darmkrebsrisiko vorbeugen.‚Ü≥

Welche Medikamente stehen zur Verf√ľgung?

Welche Medikamente jeweils in Frage kommen, hängt vom Schweregrade deiner Erkrankung ab und von der Krankheitsphase, in der du dich gerade befindest.

Bei CED reagiert das Immunsystem √ľber und sorgt f√ľr eine Entz√ľndung im Darm. Die √ľblichen Medikamente gegen akute Beschwerden wie Durchfall, Verstopfung oder Schmerzen bek√§mpfen diese Entz√ľndung nicht. Daf√ľr stehen Substanzen aus verschiedenen Arzneimittelgruppen zur Verf√ľgung, die entweder direkt anti-entz√ľndlich wirken oder das Immunsystem unterdr√ľcken.

Geht die Entz√ľndung zur√ľck, kann sich die gesch√§digte Darmschleimhaut wieder erholen und die Beschwerden klingen ab. Das wird in der Medizin als klinische Remission bezeichnet. Zeigt sich in der Darmspiegelung zudem eine abgeheilte Schleimhaut (mukosale Heilung), spricht der Arzt in diesem Fall von einer endoskopischen Remission. 

Eine schnelle und lang andauernde Beschwerdefreiheit bei m√∂glichst guter Lebensqualit√§t ist das Hauptziel der CED-Therapie; das vorrangige Ziel der herk√∂mmlichen Therapie mit Aminosalicylaten und Kortison-Pr√§paraten. Bei der immunsuppressiven Therapie mit Immunsuppressiva und modernen Biologika kann dar√ľber hinaus eine komplette Entz√ľndungsfreiheit und eine kortikosteroidfreie Remission (Beibehalten der Remission ohne Einnahme von Kortikosteroiden) angestrebt werden. 

Viele Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa nehmen im Verlauf ihres Lebens Biologika ein. Diana Dietrich schildert in dieser Podcast Episode, wie sie nach der Diagnose Morbus Crohn mit damals 17 Jahren verschiedenste Medikamente ausprobiert hat, was der Wechsel auf Biologika in ihr auslöste und wie sie heute mit den Medikamenten umgeht. Ausserdem erklärt PD Dr. med. Pascal Frei was Biologika genau sind, wie sie wirken und was diese Klasse von Medikamenten besonders macht.

F√ľr die CED-Therapie stehen folgende Medikamentengruppen zur Verf√ľgung:

  • Aminosalicylate (5-ASA-Pr√§parate) 
  • Kortikosteroide (Steroide bzw. ‚ÄěKortison‚Äú) 
  • Immunsuppressiva 
  • Biologika‚Ü≥

Aminosalicylate

Aminosalicylate werden bei leichteren Sch√ľben und in der beschwerdefreien Zeit zur Erhaltung der Remission (Langzeittherapie) verordnet. Diese Medikamente kommen vor allem bei Patienten mit milder und moderater Colitis ulcerosa zum Einsatz. Bei Morbus Crohn scheinen sie weniger wirksam zu sein und werden hier zur Behandlung milder Formen mit Befall des letzten D√ľnndarmabschnitts (Ileum) und des Dickdarms (Kolon) angewendet. F√ľr Aminosalicylate gibt es sehr viele Hinweise aus Studien, dass sie das bei Colitis ulcerosa erh√∂hte Darmkrebsrisiko senken k√∂nnen.

Aminosalicylate werden auch als Mesalazin oder 5-ASA-Pr√§parate bezeichnet. Sie √§hneln in ihrer Struktur der Acetylsalicyls√§ure (welches als Aspirin zur Behandlung von Kopfschmerzen eingesetzt wird) und unterdr√ľcken die Produktion entz√ľndungsf√∂rdernder Botenstoffe im K√∂rper. Sulfasalazin geh√∂rt ebenfalls zu den 5-ASA-Pr√§paraten, wird jedoch erst im K√∂rper in den aktiven Wirkstoff √ľbergef√ľhrt. 5-ASA-Pr√§parate gibt es in unterschiedlichen Darreichungsformen: oral (Tabletten, Granulate) und topisch/rektal (Klysmen/Sch√§ume, Suppositorien).‚Ü≥

Kortikosteroide

Eine der ersten Medikamente die Diana Dietrich nach der Diagnose Morbus Crohn mit erhalten hat, war Cortison. Cortison ist rasch einsetzbar und wirkt oft schnell gegen Entz√ľndungen, ist aber nie eine langfristige L√∂sung. Diana Dietrich bespricht mit Gastgeberin Dr. Eve Huber, welche Erfahrungen sie mit der Cortisontherapie gemacht hat. PD Dr. med. Pascal Frei erkl√§rt was Cortison genau ist, wie es eingesetzt wird und was es bei einer Cortisontherapie zu beachten gibt

Kortikosteroide sind hochwirksame Substanzen, die vor allem bei mittelschweren bis schweren akuten Sch√ľben einer CED f√ľr begrenzte Zeit zum Einsatz kommen. Sie unterdr√ľcken u.a. die Produktion entz√ľndungsf√∂rdernder Botenstoffe und zeigen dabei schnell Wirkung. F√ľr eine Langzeittherapie sind sie wegen der Gefahr schwerwiegender Nebenwirkungen nicht geeignet. Wie f√ľr alle medikament√∂se Therapien gilt: Die Einnahme muss ebenso wie das Absetzen immer in R√ľcksprache mit dem Arzt erfolgen.

Steroide, Kortikosteroide, Glukokortikoide oder einfach ‚ÄěKortison‚Äú ‚Äď es gibt viele Bezeichnungen, die alle dasselbe meinen:  eine Gruppe von Medikamenten, die einem k√∂rpereigenen Hormon nachgebildet sind: dem Kortisol. Dieses wird in den Nebennieren produziert und hat vielf√§ltige Wirkungen, wozu die Hemmung allergischer und entz√ľndlicher Reaktionen z√§hlt. Kortikosteroide k√∂nnen ihre Wirkung innerhalb von wenigen Stunden entfalten. 
Welche Kortikosteroid-Präparate werden zur CED-Therapie eingesetzt?

Bei den Kortikosteroid-Pr√§paraten sind die konventionellen Steroide, die systemisch im ganzen K√∂rper wirken, von den topischen Steroiden, welche nur in einer Region wirken, zu unterscheiden. Bei einer l√§ngeren systemischen Anwendung von Kortikosteroiden erstreckt sich auch seine hohe Nebenwirkungsgefahr auf den ganzen K√∂rper und beim Absetzen ist Vorsicht geboten. Deshalb wurden weitere Steroide entwickelt, die nur lokal im Darm wirksam sind ‚Äď eben die topischen Steroide. Durch ihre schnelle Wirkung werden Kortikosteroide oft auch in Kombination mit anderen Medikamenten eingesetzt.

Konventionelle Steroide

Konventionelle Steroide werden haupts√§chlich bei akuten Krankheitssch√ľben von CED eingesetzt. Bereits innerhalb der ersten Tage nach Therapiebeginn stellt sich eine Besserung der Beschwerden ein. Die Kortikosteroid-Tabletten werden nach ihrer Einnahme schnell und nahezu vollst√§ndig im Magen-Darm-Trakt aufgenommen. Dadurch entfalten sie ihre Wirkung sehr rasch im ganzen K√∂rper und k√∂nnen auch CED-Beschwerden lindern, die ausserhalb vom Darm auftreten, etwa Entz√ľndungen der Augen, der Haut oder der Gelenke. Die am h√§ufigsten verordneten Medikamente sind Prednison und Prednisolon.

Topische Steroide

Topische Steroide werden haupts√§chlich bei Colitis ulcerosa verordnet sowie bei Morbus Crohn im Ileum und oberen Teil des Dickdarms. Diese Kortikosteroid -Pr√§parate wirken haupts√§chlich in der Darmschleimhaut des Dickdarms und werden in der Leber rasch abgebaut (First-pass-Effekt). Sie rufen deshalb auch deutlich weniger Nebenwirkungen hervor als konventionelle Steroide und k√∂nnen bei Bedarf √ľber einen l√§ngeren Zeitraum von maximal 6 Monaten angewendet werden. 

Am h√§ufigsten wird der Wirkstoff Budesonid eingesetzt, der als Tablette, Einlauf oder Rektalschaum zur Verf√ľgung steht. Bei den herk√∂mmlichen Budesonid-Tabletten erfolgt die Freisetzung des Wirkstoffs haupts√§chlich am √úbergang von D√ľnn- zu Dickdarm, die Wirkung bleibt dort lokal begrenzt.

Kortikosteroide und seine Nebenwirkungen

Kortikosteroide sind heutzutage in der breiten √Ėffentlichkeit f√ľr ihre Nebenwirkungen bekannt und gef√ľrchtet. Fast jedem Patienten mit CED sind unerw√ľnschte Wirkungen der potenten Kortikosteroid -Pr√§parate bekannt, vor allem bei einer Therapie mit konventionellen Steroiden. Nichtsdestotrotz sind Kortikosteroide ein wichtiger Bestandteil vieler Therapien.

Die Liste der möglichen Nebenwirkungen bei längerer Kortikosteroid -Anwendung umfasst u.a.:

  • Stoffwechseleffekte: Zuckerkrankheit, erh√∂hte Blutfette, Gewichtszunahme, ‚ÄěVollmondgesicht‚Äú, Elektrolytst√∂rungen;
  • Psyche: oft Euphorie und Schlaflosigkeit zu Therapiebeginn; bei l√§ngerer Therapie dann M√ľdigkeit, Abgeschlagenheit, Leistungsschw√§che und Depression;
  • Haut: starke Akne, erh√∂hte Verletzlichkeit, vermehrter Haarwuchs, Wundheilungsst√∂rungen;
  • Auge: Grauer und Gr√ľner Star;
  • Kreislauf: Bluthochdruck, Wassereinlagerungen;
  • Magen: Magenbeschwerden;
  • Knochenstoffwechsel: Knochenschwund (Osteoporose);
  • Muskelschwund;
  • Hormonhaushalt: Unterdr√ľckung der Funktion der Nebennierenrinde, Wachstumsverz√∂gerung bei Kindern.

Wie werden Steroide abgesetzt?

Die therapeutische ‚Äě√úberschwemmung‚Äú des K√∂rpers mit Kortikosteroiden sorgt f√ľr einen Stopp der k√∂rpereigenen Herstellung dieser lebenswichtigen Hormone, die bedarfsweise in der Nebennierenrinde erfolgt. Beim abrupten Absetzen von Kortikosteroiden ist mit Entzugssymptomen zu rechnen, weil es eine Weile dauert, bis die Hormonproduktion in der Nebennierenrinde wieder hochgefahren ist. Deshalb sollte die Beendigung einer Kortikosteroid -Therapie immer zusammen mit dem Arzt erfolgen.
Der Steroid-Entzug kann sich durch Gewichtsabnahme, Schw√§che, √úbelkeit, Lethargie, Gelenkschmerzen, Fieber, Blutdrucksenkung und Verwirrung bemerkbar machen. Auch die Rezidivgefahr ‚Äď das Wiederaufflammen der Erkrankung ‚Äď ist erh√∂ht. Kortikosteroide m√ľssen deshalb am Ende des Therapiezeitraums immer ausgeschlichen werden: Das bedeutet, dass die Dosis schrittweise reduziert wird.
Bei manchen Patienten treten bereits beim Ausschleichen die ersten Krankheitsbeschwerden wieder in Erscheinung. In solchen Fällen ist es möglicherweise erforderlich, die Symptome mit Immunsuppressiva unter Kontrolle zu bringen, bevor die Kortikosteroide ganz abgesetzt werden kann.
Vitamin D und Kalzium: wichtige Begleiter der Kortison-Therapie
Wegen der Knochenschwund-Gefahr sollte der Arzt während einer längeren Behandlung mit Kortikosteroid -Präparaten regelmässig die Blut- und Knochenwerte kontrollieren. Zur Vorbeugung von Osteoporose empfiehlt sich die Einnahme von Vitamin D und Kalzium während der Kortikosteroid -Therapie gemäss der ärztlichen Empfehlung.

Kortikosteroide und seine Grenzen

Kortikosteroid-Pr√§parate sind zwar potente Medikamente, aber auch sie wirken nicht immer oder verlieren bei manchen Patienten irgendwann ihre Wirksamkeit. Einer von f√ľnf Patienten mit Morbus Crohn wird trotz wochenlanger hochdosierter Steroid-Therapie nicht beschwerdefrei ‚Äď und ist damit steroidrefrakt√§r.  Ein h√§ufiges Ph√§nomen ist auch die Steroid-Abh√§ngigkeit, bei der es nicht gelingt, die Kortikosteroid -Dosis zu reduzieren, ohne dass wieder Beschwerden auftreten. 
Kein Grund zum Verzagen: Wenn die Kortikosteroid-Behandlung an ihre Grenzen kommt oder nicht vertragen wird, kann die immunsuppressive Therapie weiterhelfen.↳

Immunsuppressiva

Immunsuppressiva sind Medikamente, die bei schwereren CED-Verl√§ufen bzw. bei Nichterfolg oder Unvertr√§glichkeit herk√∂mmlicher Therapien zum Einsatz kommen. Sie mindern bzw. unterdr√ľcken unspezifisch die k√∂rpereigene Abwehr und reduzieren damit auch die Entz√ľndungsherde im Darm. Manchmal gelingt dies sogar vollst√§ndig, ohne dass damit allerdings eine echte Heilung verbunden w√§re.

Bei der Behandlung mit Immunsuppressiva ist Geduld gefragt: Da die Wirkung zeitverz√∂gert eintritt, m√ľssen die Medikamente zun√§chst einige Wochen lang eingenommen werden.

Die Thiopurine Azathioprin/6-Mercaptopurin (AZA/6-MP) sind die bei der Langzeitbehandlung von CED am h√§ufigsten verwendeten Immunsuppressiva. Sie werden haupts√§chlich zur Erhaltung der beschwerdefreien Phase (Remission) eingesetzt oder wenn innerhalb von 6 Monaten immer wieder Sch√ľbe einer chronisch aktiven CED auftreten. 

Ein Behandlungseffekt macht sich erst nach etwa 2 bis 6 Monaten klinisch bemerkbar. Die Therapie mit AZA/6-MP gilt deshalb erst dann als ineffektiv, wenn nach 6- bis 7-monatiger Behandlung in ausreichender Dosierung keine relevante Wirkung zu erkennen ist. In diesem Fall kann dann häufig das gleichzeitig zur Schubtherapie eingesetzte Kortikosteroid -Präparat nicht vollständig abgesetzt werden. Die Therapie mit AZA oder 6-MP erfordert also anfänglich viel Geduld und eine gute Aufklärung durch den behandelnden Arzt.

Thiopurine hemmen die Vermehrung und dadurch die Differenzierung bestimmter Immunzellen und unterdr√ľcken so den chronischen Entz√ľndungsprozess. Die beiden Substanzen AZA und 6-MP sind sich bez√ľglich ihrer Wirksamkeit sehr √§hnlich, hinsichtlich ihrer Vertr√§glichkeit bestehen aber individuelle Unterschiede.

√úberempfindlichkeitsreaktionen k√∂nnen innerhalb der ersten Behandlungswochen und unabh√§ngig von der Dosierung auftreten. Dazu geh√∂ren: Bauchspeicheldr√ľsenentz√ľndung (Pankreatitis), Fieber, Hautreaktionen, Muskelschmerzen, √úbelkeit, Erbrechen und Durchfall.

Toxische Nebenwirkungen sind dosisabhängig und können Wochen bis Jahre nach Therapiebeginn sichtbar werden. Dazu gehören: Verminderung der weissen Abwehrzellen (Leukopenie), Infektionen und Leberschädigungen (Hepatitis).

Um Nebenwirkungen vorzubeugen oder sie fr√ľhzeitig erkennen zu k√∂nnen, ist vor Beginn der Behandlung eine √úberpr√ľfung das Blutbildes sowie der Leber- und Bauchspeicheldr√ľsenwerte wichtig. W√§hrend der Therapie sollten Blutbild und Leberwerte anfangs zweiw√∂chentlich und anschliessend alle 3 Monate √ľberpr√ľft werden. 

Seltener eingesetzte Immunsuppressiva sind

  • Methotrexat (MTX) und
  • Calcineurin-Antagonisten: (Cyclosporin und Tacrolimus)

Methotrexat (MTX)

Das Zytostatikum Methotrexat wird vor allem zur Chemotherapie bei Krebs und ‚Äď in viel niedrigerer Dosierung ‚Äď als Basistherapie bei rheumatischen Erkrankungen eingesetzt. Bei CED beschr√§nkt sich die Anwendung von MTX auf Patienten, die nicht auf eine Behandlung mit AZA/6-MP ansprechen oder diese nicht vertragen. Die entz√ľndungshemmende Wirkung von MTX setzt etwa 1 bis 3 Monate nach Therapiebeginn ein und beruht auf einem Eingriff in den Fols√§ure-Stoffwechsel. Deshalb ist die gleichzeitige Einnahme von Fols√§ure MTX steht in Form von Tabletten oder als subkutane Injektion (s.c.) zur Verf√ľgung. Beim Spritzen unter die Haut wird der Wirkstoff viel besser aufgenommen als bei oraler Einnahme √ľber den Magen-Darm-Trakt.

Zu den m√∂glichen Nebenwirkungen einer MTX-Therapie z√§hlen: √úbelkeit, erh√∂hte Leberwerte, erk√§ltungs√§hnliche Symptome, Bauchschmerzen, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen, M√ľdigkeit, Hautausschl√§ge. Da Methotrexat zu Sch√§digung des F√∂tus f√ľhren kann, darf Methotrexat w√§hrend der Schwangerschaft nicht eingenommen werden.

Aufgrund der Nebenwirkungsgefahr ist eine regelmässige Kontrolle der Blut-, Leber- und Nierenwerte vor und während der MTX-Therapie erforderlich. Die Einnahme von Folsäure (5 mg pro Woche) kann Nebenwirkungen lindern. MTX sollte mindestens 3 Monate vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden.

Calcineurin-Antagonisten

Zu den Calcineurin-Antagonisten z√§hlen die Wirkstoffe Cyclosporin A und Tacrolimus. Ihre immunsuppressive Wirkung beruht darauf, dass sie die Aktivierung von T-Lymphozyten blockieren. Diese beiden Medikamente sind in der Schweiz f√ľr CED nicht zugelassen, da die Erfahrungen bei CED mit beiden Substanzen gering ist, was besonders f√ľr Tacrolimus gilt. Die Anwendung dieser Medikamente sollte darin erfahrenen √Ąrzten vorbehalten sein.

Cyclosporin A wird vor allem bei Patienten mit schwerer Colitis ulcerosa eingesetzt, die auf keine andere Therapie ansprechen. In manchen F√§llen kann durch eine erfolgreiche Cyclosporin-A-Therapie die Notwendigkeit einer Dickdarmentfernung verz√∂gert oder vermieden werden. Die Verabreichung von Cyclosporin A erfolgt meistens im Spital als Infusion, es kann aber auch als Kapsel oder Getr√§nk √ľber einen Zeitraum von 3 bis 6 Monaten eingenommen werden.

Zu den Nebenwirkungen, die Cyclospsorin A hervorrufen kann, z√§hlen: √úbelkeit, Kopfschmerzen, Gef√ľhlsst√∂rungen in H√§nden und F√ľssen, vermehrter Haarwuchs im Gesichtsbereich, reduzierte Nierenfunktion, erh√∂hter Blutdruck.
Tacrolimus ist hinsichtlich Wirkmechanismus und Nebenwirkungen mit Cyclosporin A vergleichbar. Es wird bei schweren Formen von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa eingesetzt. Eine Aufnahme ins Spital (Hospitalisierung) ist nicht zwingend nötig. Tacrolimus kann oral als Kapsel eingenommen werden. Die Gabe erfolgt meist zusätzlich zu Azathioprin und Prednisolon.↳

Biologika

Biologika sind moderne Arzneimittel, die bei CED zum Einsatz kommen, wenn die konventionellen Medikamente (Aminosalicylate, Kortison-Pr√§parate, Thiopurine) nicht den gew√ľnschten Erfolg bringen oder nicht vertragen werden. Es handelt sich um gentechnisch hergestellte Eiweissstoffe (so genannte monoklonale Antik√∂rper), die den k√∂rpereigenen Antik√∂rpern nachempfunden sind. Sie wirken auf verschiedene Weise gezielt immunsuppressiv und entz√ľndungshemmend. Biologika k√∂nnen die Entz√ľndung der Darmschleimhaut effektiv zum Abklingen bringen und den Patienten somit lange, beschwerdefreie Lebensphasen erm√∂glichen.
Zu den bei CED verf√ľgbaren Biologika z√§hlen:

  • Integrin-Blocker
  • Interleukin 12/23-Blocker
  • TNF-alpha-Blocker

Integrin-Blocker

Der Integrin-Blocker Vedolizumab z√§hlt zur neuen Generation von Biologika, das f√ľr Patienten mit mittel- bis hochgradig aktivem Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zugelassen ist. Der Integrin-Hemmer kommt zum Einsatz, wenn die konventionellen Medikamente oder TNF-alpha-Blocker nicht oder nicht mehr wirksam sind oder nicht vertragen werden. Vedolizumab unterscheidet sich von den TNF-alpha-Blockern durch seinen darmspezifischen Wirkmechanismus.

Integrine sind Eiweisse, die als ‚ÄěAndockhilfen‚Äú (Adh√§sionsmolek√ľle) eine Verbindung zwischen zwei Zellen erm√∂glichen. Das őĪ4ő≤7-Integrin befindet sich auf der Oberfl√§che einer Untergruppe von speziellen Abwehrzellen (Memory-T-Lymphozyten), die vorzugsweise in den Magen-Darm-Trakt wandern und sich dort an einer f√ľr Morbus Crohn und Colitis ulcerosa charakteristischen Entz√ľndung beteiligen.

Vedolizumab ist ein monoklonaler Anti-Integrin-Antik√∂rper, der spezifisch an das őĪ4ő≤7-Integrin bindet. Durch Blockade dieser Andockhilfe wird das Vordringen der Abwehrzellen aus der Blutbahn ins Darmgewebe verhindert und der Entz√ľndung entgegengewirkt. Vedolizumab kann sowohl als Infusion, wie auch als subkutane Injektion verabreicht werden. Als Infusion wird Vedolizumab unter √§rztlicher Aufsicht √ľber eine Armvene verabreicht. Die Infusion dauert 30 Minuten. Anschliessend wird der Patient noch eine Weile beobachtet, um sicherzugehen, dass die Behandlung gut vertragen wird: nach den ersten beiden Infusionen f√ľr 2 Stunden, nach allen weiteren Infusionen f√ľr 1 Stunde. Eine subkutane Injektion (also das Spritzen des Medikaments unter die Haut) kann nach mindestens zwei Vedolizumab Infusionen vom Patienten selbst injiziert werden. Der Patient hat hier die Wahl zwischen einer Fertigspritze oder einem Fertigpen.

Interleukin 12/23-Blocker

Interleukin-Blocker hemmen die Wirkung von einzelnen Entz√ľndungsbotenstoffen aus der Gruppe der Interleukine (IL). Als Wirkstoff zugelassen ist in der Schweiz Ustekinumab. Bei Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa sind die Konzentrationen von IL-12 und IL-23 im Darm und in den Lymphknoten erh√∂ht, vermutlich als Reaktion auf in die Darmschleimhaut eindringende Bakterien. Durch die Blockierung von Interleukinen, die an der Ausbreitung der Entz√ľndung √ľber mehrere Pfade beteiligt sind, soll der Entz√ľndungsprozess im K√∂rper vermindert werden. Interleukin 12/23-Blocker wirken wie die TNF-alpha Blocker systemisch, das heisst nicht nur im Darm, sondern im ganzen K√∂rper.

Ustekinumab kann in der Schweiz zur Behandlung von mittel- bis hochgradig aktivem Morbus Crohn und Colitis ulcerosa eingesetzt werden. Nach einer einmaligen Infusion, wird das entzuŐąndungshemmende Biologikum von den Patienten mittels vorgefuŐąllter Fertigspritze unter die Haut (subkutan = s.c.) injiziert.

TNF-alpha-Blocker

TNF-alpha-Blocker z√§hlen zu den urspr√ľnglichen Biologika und werden bei Colitis ulcerosa und Morbus Crohn sowie bei schweren Autoimmunerkrankungen eingesetzt, wenn die √ľblichen Therapien nicht oder nicht ausreichend anschlagen oder nicht vertragen werden.

Der Tumornekrosefaktor-őĪ (TNF-alpha) ist ein entz√ľndungsf√∂rderndes Protein des menschlichen Immunsystems und kommt im ganzen K√∂rper vor. Seine Konzentration ist bei CED-Patienten oftmals erh√∂ht. Die TNF-alpha-Blocker binden und neutralisieren dieses Protein ortsunspezifisch, wodurch Entz√ľndungsprozesse nicht nur im Darm, sondern im ganzen K√∂rper ged√§mpft werden.

Zur Behandlung einer CED gibt es verschiedene Wirkstoffe aus dieser Substanzklasse:

  • Adalimumab 
  • Infliximab
  • Certolizumab Pegol (nur bei Morbus Crohn)
  • Golimumab (nur bei Colitis ulcerosa)

Adalimumab:
Der TNF-alpha-Blocker Adalimumab wird u.a. zur Therapie von Patienten mit mittel- bis hochgradig aktivem Morbus Crohn und Colitis ulcerosa eingesetzt wird, sofern konventionelle medikament√∂se Therapien nicht mehr wirken oder vertragen werden. Das Biologikum wird vom Patienten selbst mittels einer Fertigspritze oder vorgef√ľlltem Autoinjektor unter die Haut (subkutan = s.c.) injiziert.

Infliximab:
Der TNF-alpha-Blocker Infliximab kann zur Behandlung von mittel- bis hochgradig aktivem Morbus Crohn und Colitis ulcerosa eingesetzt werden. Das entz√ľndungshemmende Biologikum wird mittels einer Infusion in die Vene (intraven√∂s) gespritzt. Die Infusionsdauer betr√§gt ungef√§hr 2 Stunden, danach wird der Patient sicherheitshalber noch 1 bis 2 Stunden weiter beobachtet.

Certolizumab Pegol:
Der TNF-alpha-Blocker Certolizumab Pegol ist bei CED nur f√ľr die Behandlung bei mittel- bis hochgradig aktivem Morbus Crohn zugelassen. Das entz√ľndungshemmende Biologikum wird vom Patienten selbst mittels einer Fertigspritze unter die Haut (subkutan = s.c.) verabreicht.

Golimumab:
Der TNF-alpha-Blocker Golimumab ist im Bereich von CED nur f√ľr die Behandlung von mittel- bis hochgradig aktiver Colitis ulcerosa zugelassen. Das entz√ľndungshemmende Biologikum wird von den Patienten mittels vorgef√ľlltem Autoinjektor oder als Fertigspritze unter die Haut (subkutan = s.c.) injiziert.

Was ist vor dem Therapiestart mit Biologika zu beachten?

Bevor du eine Biologika-Therapie beginnst, erfolgt eine gr√ľndliche Untersuchung durch den Arzt mit Anamnese sowie Blut- und Stuhluntersuchungen. Dabei sind auch aktive schwere Infektionen wie Tuberkulose (TBC) auszuschliessen, die gegebenenfalls vorher behandelt werden m√ľssten. 
Informiere deinen Arzt ausserdem √ľber deinen aktuellen Impfstatus und geplante Reisen. Eine Impfung mit Lebendimpfstoffen sollte nach Therapiebeginn nicht mehr erfolgen. Als Frau im geb√§rf√§higen Alter solltest du w√§hrend einer Biologika-Therapie geeignete Verh√ľtungsmittel verwenden. Besprich deinen Kinderwunsch fr√ľhzeitig, am besten vor Therapiebeginn, mit deinem behandelnden Arzt.

Welche Nebenwirkungen können bei Biologika auftreten?

Begleitend zu deiner Therapie mit Biologika finden etwa alle zwei Monate regelm√§ssige Kontrolluntersuchungen beim Arzt statt, um die Wirksamkeit der Therapie und dein Wohlbefinden zu √ľberpr√ľfen. Dabei solltest du dich mit deinem Arzt √ľber alle therapierelevanten Aspekte absprechen, etwa wenn ein chirurgischer oder zahnmedizinischer Eingriff geplant ist.

Wie alle Medikamente k√∂nnen auch Biologika zu Nebenwirkungen f√ľhren, die aber nicht bei allen Patienten auftreten. Dennoch ist es wichtig, √ľber sie Bescheid zu wissen, um im Fall des Falles richtig reagieren zu k√∂nnen. Dein behandelnder Arzt wird dich dar√ľber informieren. 
Zu den h√§ufigsten Biologika-Nebenwirkungen z√§hlen: Atemwegsprobleme (wie z.B. Nebenh√∂hleninfektionen und Halsentz√ľndung), Kopfschmerzen, Hautausschlag, Husten und Bauchschmerzen. 

Weitere h√§ufige Nebenwirkungen sind Schwindel, √úbelkeit, Verdauungsst√∂rungen, Durchfall, Fieber, Hautr√∂tung, Schw√§che oder M√ľdigkeitsgef√ľhl. Wenn du das Gef√ľhl hast, an einer Nebenwirkung zu leiden, solltest du deinen Arzt kontaktieren und aufsuchen. Den Kontakt zu Personen mit Erk√§ltungen, grippalen Infekten oder anderen ansteckenden Krankheiten solltest du m√∂glichst meiden, da unter einer Biologika-Therapie das Infektionsrisiko erh√∂ht ist.

Was sind Biosimilars?

Biosimilars sind Arzneimittel, die eine grosse √Ąhnlichkeit (similarity) mit einem bereits zugelassenen Biologikum, dem Referenzprodukt, aufweisen. Biosimilars kommen nach Ablauf der Patentzeit ihrer Referenzprodukte auf den Markt und zeichnen sich durch einen g√ľnstigeren Preis aus, √§hnlich den Generika bei herk√∂mmlichen Medikamenten. Wie f√ľr alle Medikamente, wird der Medikamentenpreis in der Schweiz f√ľr Biosimilars vom Bundesamt f√ľr Gesundheit (BAG) festgelegt.

Im Gegensatz zu den Generika sind die Biosimilars allerdings Nachahmerpr√§parate von komplizierten Eiweissen. Nicht nur der biotechnologische Herstellungsprozess der Referenzprodukte ist sehr komplex, sondern auch jedes Molek√ľl selbst. Deshalb k√∂nnen Biosimilars kaum identisch mit ihren Vorbildern sein, sondern den entsprechenden Biologika allenfalls sehr √§hneln. Das schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic hat spezielle Zulassungsrichtlinien f√ľr die Biosimilars herausgegeben, die sich von der Zulassung von Generika unterscheiden.

Viele TNF-Blocker sind schon seit fast zwei Jahrzehnten im Einsatz. Bei einigen von ihnen ist der Patentschutz abgelaufen, so dass ihre Nachahmung als Biosimilar in Frage kommt. F√ľr Patienten mit CED bedeuten die neuen Medikamente mit vergleichbarem Wirkmechanismus eine weitere Option: Wenn sie auf ihr bisheriges Biologikum schlecht oder ungen√ľgend ansprechen, kommen jetzt neben anderen Biologika auch Biosimilars als Therapiealternative in Frage.

Die individuelle Auswahl des am besten geeigneten Biologikums oder Biosimilars trifft der Arzt in Absprache mit dem Patienten. Dabei spielen patientenspezifische Risikofaktoren eine zentrale Rolle. Ohne zwingende Gr√ľnde sollte eine gut laufende biologische Therapie nicht gewechselt werden, wobei auch Kostengr√ľnde dem Patientenwohl unterzuordnen sind.

In der Schweiz sind aktuell zwei Infliximab-Nachahmerpräparate zugelassen, die wie das Originalpräparat intravenös verabreicht werden. Nach den bisherigen Erfahrungen erscheint das Wirksamkeits- und Sicherheitsprofil dieser Biosimilars vergleichbar mit dem Infliximab-Referenzprodukt.↳

Warum ist der fr√ľhzeitige Einsatz von Medikamenten sinnvoll?

  • rasche Linderung der Beschwerden bei einem akuten Schub
  • Vermeidung von Infektionen;
  • m√∂glichst lange Aufrechterhaltung der beschwerdefreien Phasen (Remissionen);
  • Vermeidung von Komplikationen durch Sch√§digungen am Darm (wie z.B. Verwachsungen, Engstellen, Abszesse, Fisteln), die im weiteren Verlauf m√∂glicherweise eine Operation mit Entfernung von Darmteilen erfordern;
  • Reduzierung des Krebsrisikos durch Eind√§mmen der Entz√ľndung.‚Ü≥

Warum ist der Einsatz von Medikamenten auch während der Remission wichtig?

Die Therapie bei CED ist einerseits umso erfolgversprechender, je eher dein Arzt dich im Schub behandelt. Zum anderen kannst du durch eine konsequente Anwendung der Medikamente f√ľr die Erhaltungstherapie in der beschwerdefreien Zeit aktiv dazu beitragen, dass ein erneuter Schub wirksam verhindert wird.

Aufgrund des chronischen Krankheitsgeschehens bei CED gilt:

  • Morbus Crohn und Colitis ulcerosa m√ľssen h√§ufig durchg√§ngig behandelt werden, auch wenn man gerade beschwerdefrei ist.
  • Auch in Remissionsphasen sind Besuche beim Arzt wichtig, z.B. um einen sich ank√ľndigenden neuen Schub rechtzeitig abzufangen oder um die Progression der Erkrankung zu verhindern.‚Ü≥

Wie werden die Medikamente verabreicht?

Wie die Medikamente verabreicht werden, h√§ngt zum einen von der Art des Medikaments ab und zum anderen davon, welche Teile des Magen-Darm-Traktes von der Erkrankung betroffen sind. Die korrekte Verabreichung (Applikationzum) eines Medikaments ist eine wichtige Voraussetzung, damit es seine bestm√∂gliche Wirkung entfalten kann. 
Viele der Medikamente bei CED sind zur Aufnahme √ľber den Mund (oral), also in der Regel als Tabletten, verf√ľgbar. Eine andere, manchmal g√ľnstigere M√∂glichkeit ist das Aufbringen direkt auf erkrankte K√∂rperstellen (topisch). Andere wichtige Medikamente werden mittels Infusion √ľber eine Vene (intraven√∂s) oder per Spritze unter die Haut (subkutan) verabreicht.‚Ü≥

Orale Medikamente

Die orale Applikation kennt jeder: Tabletten, Kapseln oder Granulate werden √ľber den Mund eingenommen und geschluckt. Die Pr√§parate sind mit einer Schutzschicht √ľberzogen, um zu verhindern, dass sie sich schon im Mund aufl√∂sen. Daher solltest du diese Medikamente auch wirklich ganz schlucken und nicht zerkauen oder zerkleinern.

Topische Medikamente

Zu dieser Kategorie geh√∂ren Z√§pfchen, Einl√§ufe oder Enemas. Damit bringst du die Wirkstoffe direkt an der betroffenen Stelle auf bzw. in den Enddarm ein. Bei Enemas handelt es sich um Pr√§parate mit fl√ľssigem Schaum, der mithilfe eines Applikators √ľber den Anus eingef√ľhrt wird. Das mag zun√§chst etwas befremdlich anmuten, ist aber reine Gew√∂hnungssache.

Ein Vorteil: Da der Wirkungsbereich der topischen Medikamente nahezu ausschliesslich auf den Ort ihrer Anwendung beschr√§nkt ist, gilt das auch f√ľr ihr Nebenwirkungspotenzial. So ist etwa das wiederholte lokale Einbringen von Kortison-Schaum bei akuten Sch√ľben weit weniger problematisch als ein dauerhaftes Schlucken von Kortison-Tabletten.

Medikamente zur Injektion oder Infusion

Bestimmte Medikamente wie die modernen Biologika können nur per Injektion unter die Haut (subkutan) bzw. in den Muskel (intramuskulär) oder per Infusion in die Vene (intravenös) verabreicht werden. Bei der Infusion gelangt das Medikament sofort in die Blutbahn und damit auf schnellstem Weg an seine Wirkungsstätte(n).

Glossar-Tipp: Was sind Biologika? Was bedeutet ‚Äěklinische Remission‚Äú? Was versteht man unter ‚ÄěApplikation‚Äú? Hier werden die wichtigsten medizinischen Fachausdr√ľcke rund um Morbus Crohn und Colitis ulcerosa erkl√§rt.‚Ü≥

Behandlungsmöglichkeiten auf einen Blick
Ihre Therapieoptionen besprechen Sie am besten mit Ihrem behandelnden Arzt.
Herkömmliche Therapie
Wirkstoffgruppe Wirkungsweise
Aminosalizylate Bei leichteren Sch√ľben und in der beschwerdefreien Zeit verordnen die √Ąrzte Ihnen meist 5-ASA-Pr√§parate. Diese Wirkstoffe √§hneln der Acetylsalizyls√§ure (ASS). Sie verhindern, dass Ihr K√∂rper weiter entz√ľndungsf√∂rdernde Botenstoffe produziert.*
Cortisonpr√§parate (Corticosteroide) W√§hrend eines Schubes k√∂nnen Ihnen Corticosteroide (Cortison) helfen. Sie verhindern, dass unter anderem Ihre Immunzellen weiterhin entz√ľndungsf√∂rdernde Botenstoffe produzieren. Die Wirkung von Cortison zeigt sich schnell. Doch die √Ąrzte werden Ihnen Cortison nicht dauerhaft verschreiben.*
Immunsuppressive Therapie
Immunsuppressiva unterdr√ľcken die k√∂rperliche Abwehr, entweder im ganzen K√∂rper oder nur lokal. Sie reduzieren somit auch die Entz√ľndungsherde im Darm.
Wirkstoffgruppe Wirkungsweise
Thiopurine Thiopurine hemmen die Vermehrung und dadurch die Differenzierung bestimmter Immunzellen und unter¬≠dr√ľcken so die chronische Entz√ľndung. Da die Wirkung langsam eintritt, m√ľssen sie zun√§chst einige Wochen lang eingenommen werden. Sie werden bei mittelschweren und schweren Verl√§ufen eingesetzt.*
Biologika Integrin-Hemmer Integrin-Hemmer k√∂nnen spezifisch im Darm wirken. Der Wirkstoff blockiert ein Eiwei√ü auf bestimmten Abwehrzellen im Blut. So k√∂nnen bestimmte Entz√ľndungszellen nicht mehr aus der Blutbahn in das Darmgewebe vordringen. Integrin-Hemmer wirken Entz√ľndungen entgegen. Integrinhemmer kommen bei mittelschweren bis schweren Verl√§ufen zum Einsatz.*
Interleukin-Blocker Interleukin-Blocker hemmen ganz bestimmte Entz√ľndungsbotenstoffe, die im K√∂rper √ľber mehrere Pfade an der Ausbreitung der Entz√ľndung beteiligt sind. Interleukin-Blocker zielen auf eine Verminderung der Entz√ľndung im K√∂rper und sind f√ľr den Einsatz bei mittelschwerem bis schwerem Morbus Crohn bei Erwachsenen zugelassen.
TNF-alpha-Antagonisten TNF-alpha-Antagonisten binden und neutralisieren den Botenstoff Tumornekrosefaktor-alpha, der h√§ufig bei chronisch-entz√ľndlichen Erkrankungen erh√∂ht ist und entz√ľndungsf√∂rdernd wirkt. Wird er gehemmt, wird das Immunsystem im ganzen K√∂rper ged√§mpft und Entz√ľndungen gehen zur√ľck. TNF-alpha-Antagonisten kommen bei mittelschweren bis schweren Verl√§ufen zum Einsatz.*

* Medikamente können verschiedene Nebenwirkungen verursachen und sollten grundsätzlich in enger Absprache mit dem Arzt genommen werden.

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