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CED: Welche Rolle spielt die Ernährung?

Ein grosses Thema

Da chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) den Verdauungstrakt betreffen, ist die Ernährung logischerweise ein grosses Thema – noch mehr als in heutiger Zeit ohnehin schon. Dabei gelten die Grundsätze der gesunden Ernährung auch für Menschen mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa – bis auf bestimmte Ausnahmen und ergänzt um einige wichtige Aspekte.

Gibt es eine spezielle Diät bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa?

Nein. Es gibt keine feste Ernährungsweise, die pauschal für alle Menschen mit CED passt. Dafür sind nicht nur die Krankheitsausprägungen und -verläufe zu unterschiedlich, sondern auch die individuellen Essgewohnheiten und Unverträglichkeiten.

Prinzipiell gelten folgende, leicht zu merkende Hinweise:

  • Es gibt keine festen Regeln für die Ernährung bei CED. Du musst normalerweise keine spezielle Diät einhalten. Auf den Tisch kommt, was bekommt.
  • Grundsätzlich ist eine ausgewogene, vitaminreiche und frische Kost empfehlenswert. Achte bei Schonkost in einer akuten Entzündungsphase besonders auf die Vermeidung einer Mangelernährung.
  • Verzichte möglichst auf Alkohol und versuche, dein gesundes Idealgewicht zu erreichen bzw. zu halten.

Welche Vorteile hat die eine gesunde Ernährung?

Es ist also erstmal Entspannung rund ums Essen angesagt, dessen Spassfaktor trotz der zeitweisen Misere im Darm nicht zu kurz kommen sollte. Gleichwohl gibt es mehrere gute Gründe, sich doch etwas intensiver mit dem Thema zu beschäftigen, denn bei CED steht die Lebensqualität eng mit der für dich richtigen Ernährung in Verbindung, durch die du

  • Symptome und Beschwerden deiner Erkrankung(en) lindern,
  • den Alltag erleichtern und Lebensqualität sowie psychisches Wohlbefinden erhöhen,
  • krankheitsbedingte Defizite ausgleichen,
  • die Therapie unterstützen und
  • deine Gesundheit ganz allgemein verbessern kannst.

Bei einem ungünstigen Ernährungsstil ist stattdessen mit gegenteiligen Effekten zu rechnen. Da drängt sich natürlich auch die Frage auf, inwiefern unsere moderne Ernährungsweise für die Entstehung von CED verantwortlich ist.

Ist die Ernährung schuld an Morbus Crohn und Colitis ulcerosa?

Nein, jedenfalls nicht allein. Da die CED-Häufigkeit in Industrieländern deutlich höher liegt als im Rest der Welt, wird ein Zusammenhang mit zivilisatorischen Umwelteinflüssen wie Hygiene und Ernährung vermutet. Bei uns verbreitete Ernährungsgewohnheiten mit einem hohen Anteil an Industriezucker, ungünstigen Fetten oder übermässigem Fleischkonsum könnten dabei, wie bei verschiedenen anderen Zivilisationskrankheiten, eine Rolle spielen.

Tatsächlich lassen sich Ernährungsfaktoren feststellen, die die CED-Entstehung, den Krankheitsverlauf, die Häufigkeit und den Schweregrad akuter Entzündungsschübe beeinflussen können. Für eine alleinverantwortliche Rolle der Ernährung gibt es bisher jedoch keine sicheren Beweise. Es gibt auch keine wissenschaftlich belegte Ernährungsform, die das Risiko für die Entstehung von Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa reduziert – abgesehen vom Stillen, der einzigen spezifischen Ernährungsempfehlung zur Vorbeugung von CED.

Diese auf Bevölkerungsebene oder in einer grossen Patientengruppe beobachteten Zusammenhänge gelten aber nicht automatisch für den Einzelfall. Es gibt auch CED-Patienten, die lange gestillt wurden und auf dem Land statt in der Stadt aufwuchsen. Bei der Ernährung verhält sich, wie auch bei der CED, kein Körper genau gleich wie der andere.

 

Wie stelle ich am besten meinen Speiseplan zusammen?

Fastfood und Tiefkühlpizza eignen sich nicht als Grundlage, so viel ist klar. Es ist etwas mehr Eigeninitiative gefragt, die auch Spass machen kann. Stelle deinen Speiseplan entsprechend deiner individuellen Verträglichkeiten und Vorlieben zusammen.

Ein paar Tipps dafür:

  • Ausprobieren: Es gibt keine Ernährungsregeln, die für alle gelten. Vollkornbrot etwa wird wegen der Ballaststoffe nicht für Menschen mit CED empfohlen, manche vertragen es aber durchaus. Also probier aus, was dir schmeckt und was du wann verträgst.
  • Auslassen: Mach Auslassversuche und verzichte gezielt jeweils auf ein bestimmtes Lebensmittel, um Unverträglichkeiten festzustellen.
  • Ernährungstagebuch: Dokumentiere dein Ernährungsverhalten und seine Folgen für eine Weile. So bekommst du einen Überblick und Anregungen für deine Ernährungsplanung sowie eine gute Grundlage für das Arztgespräch bei Bedarf.
  • CED-taugliche Rezepte finden sich zahlreich im Internet und in Kochbüchern bzw. Ratgebern (siehe Buch-Tipp!). An der Entwicklung der Rezepte sollten ausgebildete Ernährungsberater mitgewirkt haben.
  • Neben der Informationsflut in Internet und Medien kann ein persönliches Gespräch mit einem Ernährungsberater hilfreich sein. Die Patientenvereinigung Crohn Colitis Schweiz bietet beispielsweise für ihre Mitglieder eine telefonische Ernährungsberatung an.
  • Die Ernährung muss man nicht überbewerten, sie sollte trotzdem auch ein Thema im ärztlichen Gespräch sein. Das bietet sich in Verbindung mit den regelmässigen Kontrolluntersuchungen (auch auf Spurenelemente wie Zink, Magnesium, Kupfer und Selen) ohnehin an.
  • Last but not least: Ernährung ist auch Gewohnheitssache. Du wirst nach einer mehrwöchigen Umstellungsphase erstaunt über neue kulinarische Vorlieben sein, die du dir vorher gar nicht vorstellen konntest

Zur Orientierung für deine Ernährungsplanung:

Hier eine kleine Auswahl an Empfehlungen für den Ernährungsalltag bei CED

  "IN"
(empfehlenswert)
"OUT"
(nicht empfehlenswert)
Speiseplan
  • ausgewogene, nährstoff- und vitaminreiche, frische Kost
  • viel Flüssigkeit (Wasser, Kräuter- oder Früchtetee), ggf. mehr als die Empfehlung von 1,5–2 Liter für Gesunde
  • auf Bauchgefühl hören, eigene (Un-) Verträglichkeiten beachten
  • Essen mit Genuss und Freude
  • einseitig
  • überwiegend Fertiglebensmittel
  • viel Zuckerhaltiges (Kuchen, Torten, Süssigkeiten, gesüsste Getränke)
  • zu wenig Flüssigkeit
  • spezielle Diät (ausser auf ärztliche Empfehlung)
Mahlzeiten
  • mehrere kleine Mahlzeiten
  • wenige grosse Mahlzeiten (belastender für den Darm)
Nahrungsaufnahme
  • bewusstes Essen in Ruhe und mit Zeit
  • gut gekaut
  • wohltemperiert
  • hastiges Essen in Hektik und mit Stress
  • mehr geschlungen als gekaut
  • zu heiss oder zu kalt (unnötiger Stress für Magen und Darm)
Lebensmittel
  • viel Eiweiss (Fisch, weisses Fleisch, Eier)
  • kalorienreich
  • Fett in kleineren Mengen
  • mangelnde Eiweisszufuhr (Eiweissverlust bei Durchfall)
  • nährstoffarm, leere Kalorien
  • viel Fett
  • säurehaltige Lebensmittel
  • Milchprodukte bei Laktoseintoleranz (ggf. prüfen!)
  • bestimmte Lebensmittel (z.B. Milch, Südfrüchte, Schokolade), wenn sie Darmgrummeln oder Durchfall auslösen
Zubereitung
  • Dünsten und Garen
  • Braten
Brot
  • Weiss- und Graubrot
  • Vollkornbrot (belastender)
Obst
  • püriert besonders gut verträglich (z. B. Äpfel, Erdbeeren)
  • u. a. Heidelbeeren (Anthocyane: entzündungshemmend)
  • säurehaltiges Obst
  • Bananen, Feigen, Dörrobst wie Backpflaumen (blähend)
Gemüse
  • diverse, nach Verträglichkeit und Vorlieben
  • Kohl, Hülsenfrüchte, Schwarzwurzeln, Lauch, Zwiebeln, manche Rohkostsalate (blähend)
Gewürze
  • Ingwer und Kurkuma (Curcumin: entzündungshemmend)
 
Nährstoffe
  • langkettige Kohlenhydrate aus Stärke (Gemüse, Kartoffeln, Getreide)
  • Omega-3-Fettsäuren (z. B. in Makrele, Hering, Lachs)
  • fertige Babynahrung aus Gläschen
  • feine Hafer- oder Hirseflocken
  • viele kurzkettige Kohlenhydrate (z. B. Zucker)
  • viele Ballaststoffe (belasten den Darm)
Mikronährstoffe Eisen, Folsäure, Kalium, Kalzium, Kupfer, Magnesium, Selen, Zink, Vitamin B 12, Vitamin D  
Getränke
  • Wasser (ohne Kohlensäure)
  • milder Tee, Kaffee
  • Glas Alkohol gelegentlich (z. B. Sekt)
  • Alkohol (regel- oder übermässig)
  • harte Spirituosen
  • Kohlensäure (blasenbildend)
bei akutem Schub
  • verdünnte Saftschorlen und mässig gewürzte, lauwarme Gemüsesuppen zum Ausgleich von Flüssigkeits- und Mineralstoffverlusten
  • Trinknahrung zur Unterstützung der normalen Mahlzeiten
  • ungenügende Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr
  • jeglicher Alkohol
bei Medikamenteneinnahmen
  • Zufuhr von Kalzium und Vitamin D bei Cortison-Therapie (Osteoporose-Gefahr!)
 

 

Besteht die Gefahr einer Mangelernährung?

Ja. Wegen der geschädigten Darmbarriere kommt es bei CED zu einem sogenannten Malabsorptionssyndrom, bei dem die Nährstoffaufnahme aus dem Darm gestört ist. Zudem entziehen die Durchfälle dem Körper Flüssigkeit und Nährstoffe, während die Nahrungsaufnahme unter den Krankheitsbeschwerden leidet. Schliesslich sind auch noch mögliche ungünstige Effekte von Medikamenten wie z.B. Kortison zu beachten und gezielt auszugleichen.

Wichtige Faktoren für eine Mangelernährung im Überblick:

  • verminderte Nahrungsaufnahme u.a. aufgrund von Schmerzen, Durchfällen, Fieber, Übelkeit, Entzündungen im Mundbereich;
  • Nährstoff- und Flüssigkeitsverluste bei Durchfall;
  • gestörte Nährstoffaufnahme bei entzündetem Darm;
  • zusätzliche Probleme mit der Mikronährstoffbilanz durch Medikamente;
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Gewichtsverlust als Folgen, die das Geschehen noch weiter verschärfen.

Bei Kindern ist die Gefahr einer Mangelsituation, die sich negativ auf Wachstum und Entwicklung auswirken könnte, besonders gross. In bis zu 85% der Fälle ist mit Protein- und Mikronährstoffdefizit zu rechnen.

Konsequenz: Lass deine Nährstoffsituation regelmässig vom Arzt überprüfen (v.a. Eisen, Vitamin D, Folsäure, Vitamin B12, Zink, Magnesium, Kupfer, Selen). Ein nachgewiesener Nährstoffmangel kann gezielt über die Ernährung oder kurzfristig per Tablette oder Infusion ausgeglichen werden. Nach starkem Flüssigkeitsverlust wegen wiederkehrender Durchfälle kannst du mit Tabletten oder Elektrolytgetränken für einen Ausgleich sorgen.

Übrigens: Ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust von mehr als 5 % innerhalb eines Vierteljahres sollte allerdings ärztlich abgeklärt werden. Auch wenn du abnehmen möchtest, solltest du dich an deinen Arzt wenden und mit ihm über eine individuelle Ernährungstherapie sprechen.

Wie zeigt sich ein Vitamin-B12-Mangel?

Bei Morbus Crohn ist das Risiko eines Vitamin-B12-Mangels deutlich erhöht, da die Aufnahme (Resorption) im Dünndarmbereich gestört sein kann. Vitamin B12 wird normalerweise in der Leber gespeichert und dort über Jahre gelagert. Natürliche Quellen für die menschliche Ernährung sind Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte sowie Eier und Milchprodukte, während das Vitamin in pflanzlichen Lebensmitteln kaum vorkommt. Veganern wird deshalb die dauerhafte Einnahme eines Vitamin-B12-Präparats empfohlen.

Im menschlichen Körper deckt Vitamin B12 ein breites Wirkspektrum ab, das vom Stoffwechsel über Nervensystem und Blutbildung bis zur Entgiftung reicht. Zudem ist es an der Folsäure-Umwandlung, dem Fettsäurenabbau und an allen Wachstumsvorgängen beteiligt. Dementsprechend zeigt sich ein Mangel vielgestaltig durch

  • Müdigkeit, Erschöpfung, Schwindel,
  • Blutarmut (Anämie), blasse Haut,
  • eingerissene Mundwinkel, brüchige Haare und splitternde Nägel.

Bei solchen Anzeichen sollten du und dein Arzt an einen Vitamin-B12-Mangel denken. Geleerte Vitamin-B12-Speicher können durch Infusion wieder aufgefüllt bzw. aufrechterhalten werden. Eine Anpassung der Ernährungsweise ist ebenfalls hilfreich.

Wann ist eine künstliche Ernährung sinnvoll?

In Einzelfällen und dann meist bei einem akuten Schub. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten:

  • parenterale Ernährung: Die Nährstoffe gelangen über einen Katheter direkt in die Blutbahn in den Stoffwechsel.
  • enterale Ernährung:  Die breiige oder dünnflüssige Nahrung gelangt über eine Sonde oder einen Schlauch in Magen, Dünndarm oder Zwölffingerdarm. Damit können auch bei wachstumsverzögerten Kindern in einer Akutphase sehr gute Ergebnisse erzielt werden.