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Kinderwunsch und Schwangerschaft mit CED

Was ist zu beachten?

Kinder zu bekommen und eine Familie zu gründen zählt für viele Menschen zum Wichtigsten und Wertvollsten im Leben. Das ist in einem Leben mit CED nicht anders. Natürlich stellen sich in diesem Fall bei der Familienplanung zusätzlich einige Fragen, die die Krankheit betreffen. Wenn du sie gemeinsam mit deinem Partner bzw. deiner Partnerin gezielt angehst, könnt ihr beide vorbereitet in den neuen Lebensabschnitt gehen und das werdende Familienglück geniessen.

Wichtig ist auch eine gute ärztliche Beratung im Vorfeld durch den behandelnden Gastroenterologen und den Frauenarzt. Besprich mit ihnen alle Punkte, die dir wichtig erscheinen oder dich beunruhigen. Für viele Fragen gibt es keine pauschalen Empfehlungen, die richtige Antwort hängt häufig von deiner individuellen Situation ab.

Die folgenden Aussagen zu einigen wichtigen Aspekten geben dir bzw. euch immerhin schon mal eine gewisse Orientierung:

Wird mein Kind auch an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leiden?

  • Es sind zahlreiche Stellen im Erbgut („Risiko-Gene“) bekannt, die mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa im Zusammenhang stehen. Sie sind aber nicht alleine verantwortlich für die Entstehung der Krankheit, sondern erhöhen als „Risiko-Gene“ nur die Anfälligkeit dafür.
  • Bei einem erkrankten Elternteil ist laut Statistik bei Colitis ulcerosa etwa jedes 50. Kind und bei Morbus Crohn jedes 20. Kind betroffen (2 von 100 bzw. 5 von 100). Wenn beide Eltern erkrankt sind oder eine CED auch bei anderen Verwandten auftritt, steigt die Wahrscheinlichkeit.
  • Bei der Mehrzahl aller Patienten sind die anderen Familienmitglieder nicht an einer CED erkrankt.
  • Fazit: Die Sorge, die Erkrankung eventuell weiterzuvererben, sollte deine Familienplanung nicht beeinträchtigen.

Verändert die CED meine Fruchtbarkeit?

  • Bei Colitis ulcerosa wird die Fruchtbarkeit offenbar nicht beeinflusst.
  • Bei Morbus Crohn kann die Fortpflanzungsfähigkeit im akuten Schub bzw. bei hoher Krankheitsaktivität vermindert sein.
  • Nach einer Operation oder durch einen unregelmässigen Zyklus kann deine Fruchtbarkeit als Frau etwas eingeschränkt sein.
  • Insbesondere grosse oder wiederholte Operationen im kleinen Becken können die Fruchtbarkeit – eventuell nur vorübergehend – beeinträchtigen.

Wie kann der Arzt mir beim Kinderwunsch helfen?

  • Besprich mit deinem Gastroenterologen und deinem Gynäkologen, wie Du dich am besten auf die Schwangerschaft vorbereiten kannst. Dabei sind u.a. die folgenden Punkte von Interesse:
    • Wie hoch ist die Krankheitsaktivität momentan und welche Medikamente können oder sollten vor, während und nach der Schwangerschaft eingesetzt werden?
    • Ist eine Operation in absehbarer Zeit notwendig? Möglicherweise sollte sie vorgezogen werden, damit sie nicht während der Schwangerschaft durchgeführt werden muss.
    • Wie sehen deine Laborwerte aus? Besteht ein Eisenmangel oder hormonelle Störungen, die auszugleichen sind?
    • Was sagt die Waage: Hast du einen Gewichtsverlust aufzuholen?
    • Bereits ab 4 Wochen vor der Zeugung ist, wie bei allen Frauen mit Kinderwunsch, die Einnahme von Folsäure zu empfehlen.
  • Solltest Du ungeplant schwanger werden, besteht kein Grund zur Panik: Vereinbare kurzfristig ausser beim Gynäkologen auch einen Termin bei deinem Gastroenterologen, damit er überprüft, ob die aktuelle Therapie entsprechend anzupassen ist. Normalerweise erhalten Frauen im gebärfähigen Alter keine Medikamente, die das Kind gefährden könnten – oder werden zumindest auf das Risiko hingewiesen, verbunden mit der Empfehlung für eine sichere Empfängnisverhütung.
  • Wichtig: Alle deine behandelnden Ärzte sollten über deine CED (u.a. per Arztbrief) aktuell informiert sein und sich bei Bedarf darüber austauschen.

Gibt es einen optimalen Zeitpunkt, um schwanger zu werden?

  • Ja: Erfolgt die Zeugung in einer beschwerdefreien Phase (Remission), kannst du mit einer normalen Schwangerschaft rechnen. Wie bei gesunden Frauen ist der Verlauf dann in den meisten Fällen komplikationslos.
  • Beginnt die Schwangerschaft bei aktiver Erkrankung, sieht es anders aus: Dann ist das Risiko für eine frühzeitige Geburt oder ein vermindertes Geburtsgewicht erhöht. Zudem kann die Gefahr, einen Schub zu bekommen, während der Schwangerschaft ansteigen.

Was macht die Schwangerschaft mit der CED?

  • Der Verlauf hängt von der Krankheitsaktivität zu Beginn der Schwangerschaft ab:
    • Bei erhöhter Krankheitsaktivität zum Zeitpunkt der Zeugung steigt das Risiko für einen Schub.
    • Beginnt die Schwangerschaft in einer beschwerdefreien Phase, ist die Wahrscheinlichkeit für einen Schub während der nächsten 9 Monate nicht höher als bei nicht-schwangeren Frauen mit CED.
  • Und noch eine erfreuliche Botschaft: Wie sich gezeigt hat, können Schwangerschaften den weiteren Verlauf der chronischen Erkrankung günstig beeinflussen. Während die Lebensqualität steigt, sind langfristig weniger operative Eingriffe nötig.
  • Allerdings lässt sich der individuelle Verlauf nie sicher vorhersagen: Bei einigen Schwangeren mit Colitis ulcerosa gehen die Beschwerden zurück, bei anderen bleiben sie unverändert oder verschlechtern sich. Insgesamt scheinen Verschlechterungen während der Schwangerschaft bei Morbus Crohn seltener aufzutreten als bei Colitis ulcerosa.

Gefährdet die CED das Ungeborene?

  • Es besteht nur dann eine erhöhte Gefahr, wenn die Entzündung nicht unter Kontrolle ist. Bei schweren Entzündungsschüben, Fisteln oder wenn grosse Teile des mütterlichen Dickdarms entzündet sind, ist die Wahrscheinlichkeit von Früh- oder Fehlgeburten erhöht. Ein Schub kann auch das Risiko für ein niedriges Geburtsgewicht steigern.
  • Deshalb ist das wichtigste Behandlungsziel, dass du während der Schwangerschaft beschwerdefrei, also in Remission, bleibst. Wenn es zu einem Schub kommt, sollte dieser sofort behandelt werden.

Soll ich die Medikamente gegen CED während der Schwangerschaft absetzen?

  • Bei vielen werdenden Müttern dreht sich oft der erste Gedanke darum, alle Medikamente abzusetzen, um das Kind nicht zu gefährden und die Schwangerschaft so natürlich wie möglich zu erleben. Der Wunsch ist sehr verständlich, allerdings kann eine unkontrollierte Entzündung letztlich die grössere Gefahr für das Ungeborene darstellen (siehe die vorherige Frage).
  • Deshalb solltest du die Situation mit deinem Arzt besprechen und gemeinsam mit ihm entscheiden, wie die Remission am besten aufrechterhalten werden kann und was bei einem akuten Schub im Falle des Falles zu tun ist.

Welche Therapie ist während der Schwangerschaft am besten geeignet?

  • Wie die bestmögliche Therapie während der Schwangerschaft aussieht und welche Medikamente dafür geeignet sind, hängt von deiner individuellen Situation ab und lässt sich nicht pauschal festlegen. Die Entscheidung triffst du gemeinsam mit deinem behandelnden Arzt.
  • Für viele Medikamente, die bei CED zum Einsatz kommen, liegen langjährige Erfahrungen vor. Die behandelnden Ärzte werden durch Informationen aus Datenbanken und Empfehlungen der Fachgesellschaften kontinuierlich dabei unterstützt, das mögliche Risiko für die werdende Mutter und das ungeborene Kind einzuschätzen.

 

Ist eine normale Entbindung möglich?

  • Die Art der Entbindung hängt von der individuellen Situation ab. So wird etwa bei entzündetem After und Enddarm normalerweise eher ein Kaiserschnitt statt einer vaginalen Geburt empfohlen.
  • Die Entscheidung zum Vorgehen sollte gemeinsam mit dem Gastroenterologen, dem Frauenarzt und dem Geburtshelfer getroffen werden.

Kann ich stillen?

  • Ob du dein Kind stillen kannst, hängt von deiner therapeutischen Situation nach der Geburt ab. Manche Wirkstoffe gelangen in die Muttermilch und können vom Neugeborenen aufgenommen werden.
  • Andererseits ist die Erhaltung der Remission und die Behandlung eines akuten Schubs auch in dieser Phase wichtig. Meistens gibt es verschiedene Möglichkeiten. Besprich sie mit deinem Gastroenterologen und dem Kinderarzt.

Hier noch zwei häufige Fragen zur Familienplanung, die vielen Männern mit CED Kopfzerbrechen bereiten:

Bin ich trotz CED zeugungsfähig?

  • Ja, bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind prinzipiell keine Auswirkungen auf die männliche Fruchtbarkeit zu befürchten.
  • Wenn du allerdings bestimmte Medikamente (z. B. aus der Gruppe der Sulfasalazin-Präparate) einnimmst, kann durch eine verschlechterte Spermienqualität deine Zeugungsfähigkeit vermindert sein. Dieses Problem lässt sich durch einen Therapiewechsel nach Rücksprache mit deinem behandelnden Arzt beheben: Nach dem Absetzen bist du innerhalb von zwei Monaten normalerweise wieder so fruchtbar wie vorher.
  • Wenn es also um die Familienplanung geht, solltest du rechtzeitig mit deinem behandelnden Arzt sprechen und sicherstellen, dass fruchtbarkeitsgefährdende Medikamente für den Zeitraum der Zeugung aus deinem Therapieplan genommen werden.

Kann die CED Probleme mit der Erektion verursachen?

  • Hier besteht normalerweise kein Grund zur Sorge, denn Crohn und Colitis scheinen die Erektion nicht zu beeinträchtigen.
  • Erektionsstörungen gelten zwar einerseits als seltene Komplikation nach chirurgischer Entfernung des Dickdarms (Kolektomie) bei Colitis ulcerosa. Andererseits gibt es auch Daten, die eine Verbesserung der Erektionsfähigkeit und der sexuellen Lust nach dieser Operation zeigen.
  • Statistisch gesehen leidet etwa jeder fünfte Mann (auch mit gesundem Darm) irgendwann in seinem Leben unter einer Erektionsstörung. Dafür gibt es viele verschiedene Gründe, die neben körperlichen Ursachen vor allem psychische Faktoren wie Stress, Leistungsdruck, Ängste und Konflikte betreffen. Die Therapieansätze sind ebenfalls vielfältig, wobei Änderungen im Lebensstil oft schon ausreichen können: weniger Alkohol, Rauchverzicht, Ernährungsumstellung, mehr Bewegung und geübte Entspannung.

Wenn dich Erektionsstörungen oder die Sorge darum plagen, dann sprich deinen behandelnden Arzt darauf. Dieser Schritt fällt vielen Patienten schwer, ist aber häufig der wichtigste, um zu einer befriedigenden Lösung zu kommen.