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CED: Partnerschaft und Sexualität im Stresstest?

Miteinander reden ist der erste Schritt – und oft der wichtigste

Eine chronisch entzündliche Darmerkrankung (CED) muss sich nicht negativ auf die Partnerschaft und das Sexualleben auswirken. In vielen Fällen tut sie es allerdings und beeinträchtigt damit die Lebensqualität der Betroffenen. Wie kommst du damit klar?
Ziehst du dich wegen deiner CED-Beschwerden von deinem Partner bzw. deiner Partnerin zurück? Hast du keine Lust auf Nähe, Zärtlichkeit und Berührungen, geschweige denn Sex? Das ist zunächst eine normale und verständliche Reaktion. Es ist aber auf Dauer belastend für dich und deinen Partner und kann eure Beziehung ernsthaft gefährden. Deshalb gilt in diesem Fall: Reden ist Gold!

Miteinander reden ist der erste Schritt – und oft der wichtigste

Natürlich können ein Morbus Crohn oder eine Colitis ulcerosa das eigene Leben und folglich auch eine Partnerschaft ganz schön durcheinanderbringen. Eine gute Beziehung wird diesen Stresstest aber aushalten. Statt Nähe und Sexualität aus deinem bzw. eurem Leben zu streichen, lohnt sich jeder Versuch, beides  – angepasst an die Stimmung, die Tagesform und die Tücken der Krankheit – in dein Leben mit CED zu integrieren. Eurer Familienplanung steht dabei auch nichts im Weg (siehe Kinderwunsch und Schwangerschaft).

Die CED-Diagnose bedeutet auch nicht, dass du Single bleiben musst, denn sie wird nicht verhindern können, dass zwei sich liebende Menschen dauerhaft zueinanderfinden.

Tipps:

  • Akzeptieren: Für dein Selbstbewusstsein ist es wichtig, dass du deine CED nicht als „Makel“ interpretierst, für den du dich schämen oder den du verstecken musst. Das gilt für alle Lebensbereiche und ganz besonders in intimen Angelegenheiten. Auf den Umgang mit Krankheitsschüben und Narben oder auch mit einem künstlichen Darmausgang kannst du dich zusammen mit deinem Partner einstellen. Abhängig von Art und Verlauf deiner Erkrankung mag es Einschränkungen geben. Sie stellen aber keinen dauerhaften Grund dar, um auf ein erfüllendes Sexualleben oder gar eine Partnerschaft zu verzichten.
  • Reden: Reden ist in der Partnerschaft der erste und oft wichtigste Schritt, um Probleme gemeinsam erkennen und lösen zu können. Sprich über dein Empfinden, über das, was dir guttut, warum du vielleicht manchmal zurückhaltend bist oder wie du glaubst, dass euer Sexualleben wieder zum Genuss werden kann. Sprich mit deinem Partner über deine Gedanken und Gefühle und stelle dabei klar, dass nicht er oder sie der Grund für deinen Rückzug ist, sondern die Beschwerden. In den meisten Fällen wird dein Gegenüber dich verstehen – und das oft besser, als du es dir vorstellen kannst.
  • Druck abbauen: Der Druck, die Erwartungen beim Sex möglicherweise nicht zu erfüllen, kann schon für gesunde Menschen manchmal gross sein. Mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa wird die Sache nicht leichter. Mach dir das Leben nicht schwerer als es ist und agiere dir selbst und deinem Partner gegenüber ohne Druck. Erzwingen sollte man nichts, geniessen dafür umso mehr. Es ist vor allem für Männer nicht leicht, über ihre sexuellen Probleme zu reden. Aber die meisten Frauen sind froh, wenn sich ihr Partner ihnen anvertraut.
  • Verständnis haben und vertrauen: In einer Partnerschaft sollten Verständnis und Vertrauen auf Gegenseitigkeit beruhen. Wenn du offen und ehrlich mit deinem Partner oder deiner Partnerin umgehst, darfst du auch auf sein/ihr Verständnis hoffen – mehr als du dir vielleicht vorstellen kannst. Mach dir umgekehrt auch klar, dass dein Partner mitbetroffen ist.
  • Geduldig sein: Gerade beim Thema Sexualität ist es oft wichtig, Geduld mit sich – und auch dem Partner – zu haben.
  • Planvoll (be-) handeln: Durchfall, Bauchschmerzen und die Angst vor Stuhlinkontinenz sind keine guten Voraussetzungen für ein erfülltes Sexualleben, das ist klar. Es ist aber kein Grund zum Verzweifeln, sondern zum planvollen Handeln. Nach einem Schub kommt wieder eine beschwerdefreie Zeit für partnerschaftliche Aktivitäten und eine gute Behandlung sorgt dafür, dass das möglichst lange so bleibt.
  • Hilfe annehmen: Sei nicht zu stolz, um Hilfe von deinem Partner anzunehmen. In manchen Fällen ist auch ein Partnergespräch bei einem Paartherapeuten angebracht. Genier dich nicht, das Thema Sexualität und Partnerschaft bei deinem behandelnden Arzt anzusprechen, im normalen Praxisbetrieb kommt es häufig zu kurz. Er kann dir ärztliche Einschätzungen und Ratschläge geben, bei körperlichen Problemen medizinisch weiterhelfen und dich ggf. an andere Fachärzte oder Therapeuten überweisen. Da viele Probleme im Sexualleben mit der Psyche zu tun haben, kann eine gute psychotherapeutische Unterstützung sehr hilfreich sein. Gerade intime Themen lassen sich manchmal mit einem neutralen Dritten einfacher diskutieren und besser reflektieren als mit dem Partner oder mit Freunden und Familie. Wenn du deinen Gefühlen auf den Grund gehst, kannst du leichter Strategien für einen besseren Umgang mit deiner Erkrankung entwickeln, die auch wirklich funktionieren.
  • Partnerschaft und Gemeinschaft leben: Unternimm viel Gemeinsames mit deinem Partner und plane Aktivitäten mit ihm/ihr. Das schweisst zusammen und wirkt wie ein Puffer für schlechte Zeiten. Das gilt genauso für Familienangehörige und Freunde. Eine liebevolle und lebendige Partnerschaft und ein gutes soziales Netzwerk gehören zu den besten Therapien, die es gibt.